Bildungschancen werden in Deutschland vererbt wie Vermögen. Kinder aus Elternhäusern, die über ein geringes Einkommen verfügen, in denen es keine Tradition von höheren Schulabschlüssen oder akademischen Karrieren gibt oder Kenntnisse über das deutsche Bildungssystem fehlen, haben eine deutlich geminderte Chance zur Entfaltung von Talenten.

Um dies zu ändern, engagieren sich heute über 70 Talentscouts aus ganz Nordrhein-Westfalen für die individuelle Förderung von talentierten Schüler*innen aus weniger privilegierten Familien. In Kooperation mit über 370 Partnerschulen sind aktuell über 17.000 Schüler*innen in das Programm involviert und es kommen täglich weitere hinzu. Dabei verteilt sich das NRW-Talentscouting nahezu gleichmäßig auf die Schulformen Berufskolleg, Gesamtschule und Gymnasium.

Die Arbeit lässt sich dabei als Interaktionsarbeit charakterisieren, die sich an eine Gruppe von Schüler*innen richtet, die trotz zum Teil schwieriger Rahmenbedingungen erstaunliche Leistungen erbringt, oft auch in Bereichen, die über Schulnoten kaum abzubilden sind. Im Talentscouting werden diese Talente aktiv angesteuert, über einen längeren Prozess ermutigt und bei der Überwindung konkreter Orientierungsprobleme unterstützt. Dieser individuelle Ansatz als Kernstück der Talentförderung richtet sich an Schüler*innen der Sekundarstufe II und beinhaltet eine kontinuierliche Begleitung bis zum (Fach-)Abitur. Über diesen Zeitraum können Informationen zu Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten und entsprechende Rahmenbedingungen bei Interesse weiter fundiert und mit konkreten praktischen Erfahrungen verbunden werden. Mut machen, Visionen für die berufliche Zukunft entwickeln, Wege aufzeigen, hilfreiche Netzwerke schaffen und gemeinsam Barrieren überwinden – das Talentscouting ist ein aufsuchender, individueller und langfristiger Ansatz, der Expertisen zur Förderung individueller Talente bündelt

Im Themenforum lernen Sie auf Basis des Prinzips „Leistung im Kontext“ best-practise-Ansätze aus der Zusammenarbeit mit Schulen im Talentscouting kennen. Sie erfahren, wie leistungsorientierte Schülerinnen und Schüler aus weniger privilegierten Umfeldern gemeinsam gefunden, ausgewählt und gefördert werden und welche Auswirkungen diese Zusammenarbeit auf schulische Entwicklungsprozesse haben kann.

Referent:

Marcus Kottmann

Marcus Kottmann leitet das NRW-Zentrum für Talentförderung der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen. Der Chemiker und Arbeitswissenschaftler ist seit 2009 Leiter der Abteilung Strategische Projekte der Westfälischen Hochschule und entwickelte dort die erste Talentförderung einer deutschen Hochschule.

„Das Talentscouting steht beispielhaft für eine neue Kultur der Zusammenarbeit von Schulen, Hochschulen und weiteren Bildungseinrichtungen auf Augenhöhe. Wir haben viele Talente in unserm Land, für die sich dieses Engagement lohnt!"

Kontakt: marcus.kottmann@nrw-talentzentrum.dewww.nrw-talentzentrum.de

Flyer NRW-Zentrum für Talentförderung (PDF)