Die Potenzialanalyse (PA) ist ein wichtiger Bestandteil der individuellen Förderung für Schülerinnen und Schüler im Rahmen ihres Prozesses der Beruflichen Orientierung (BO). Ziel ist es u.a. die Lust der Jugendlichen an der Berufsorientierung zu wecken, ihre Berufswahlkompetenz zu fördern und (spätere) begründete Berufswahlentscheidungen vorzubereiten. Handlungsorientierte Situationen und Gespräche offenbaren den Jugendlichen ihre eigenen Potenziale und Kompetenzen wie bspw. Selbständigkeit, Teamfähigkeit oder Planungsfähigkeit, aber auch Feinmotorik oder räumliches Vorstellungsvermögen. Die PA ist somit ein erster Schritt im Prozess der Beruflichen Orientierung. 
Eine unreflektierte Teilnahme an einer PA im Rahmen der Beruflichen Orientierung ist jedoch aus wissenschaftlicher Perspektive nicht ratsam und kann sogar negative Folgen für den BO-Prozess haben. Bei einer Teilnahme, die nicht vor- und nachbereitet wurde oder im Verhältnis zur individuellen Ausgangslage steht, werden immer einige Schülerinnen und Schüler von der Durchführung profitieren, aber auch etliche ziehen entweder keinen oder gar einen gegenläufigen Nutzen aus der (vermeintlichen) Unterstützung (negativer Scheren-Effekt).
Genauer gesagt, profitieren Teilnehmerinnen und Teilnehmer enorm davon, wenn sie bei der Durchführung schon Vorwissen (insbesondere aus der schulischen Vorbereitungsphase) einbringen können, so kann neu erworbenes Wissen direkt angeknüpft werden. Diese Nutzerinnen und Nutzer profitieren enorm und weisen hohe Entwicklungsraten auf, sodass man hier sagen kann: „Wer hat, dem wird gegeben“.

Im Themenforum diskutieren wir gemeinsam neben Beispielen aus der Praxis auch Ihre Fragen und Anregungen, um die PA für Schülerinnen und Schüler schulisch optimal vor- und nachbereiten und die Ergebnisse bestmöglich und individuell passend für den weiteren BO-Prozess nutzen zu können.

Das Angebot richtet sich an Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen der Sekundarstufe I. 

Referenten: 

Anja Esser 

Frau Esser ist Referatsleiterin im Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen. Ihr Referat umfasst das Handlungsfeld rundum die Berufliche Orientierung in Schulen sowie Kooperationen mit Wirtschaft und Hochschulen. Als gelernte Gymnasiallehrerin für die Fächer Mathematik und Physik hat sie später im Auslandsschuldienst in Istanbul und als Schulleiterin eines Berufskollegs in Leverkusen gearbeitet. 

Kontakt: anja.esser@msb.nrw.de

 

Carolin Kunert

Frau Kunert ist Diplom-Pädagogin und arbeitet im Bundesinstitut für Berufsbildung, Abteilung Initiativen für die Berufsbildung.

Ihre Forschungsthemen / Arbeitsschwerpunkte sind:

  • Wissenschaftliche Begleitung Berufsorientierungsprogramm (BOP):
  • - Fachliche Steuerung der programmbegleitenden Evaluation
  • - Information, Beratung und Auswertung der geförderten Projekte
  • - Maßnahmen zur Vernetzung der Akteure und zum Transfer der Projektergebnisse (über Publikationen, Vorträge oder Veranstaltungen)
  • - Qualitätssicherung im Programm

Seit 2010 ist Frau Kunert verantwortlich für die wissenschaftliche Begleitung des Berufsorientierungsprogramms.

Kontakt: über https://www.bibb.de/

Publikation: Kunert, Carolin | 2014
Die praktische Seite der Berufsorientierung: Modelle und Aspekte der Organisation von Praxiserfahrungen im Rahmen der Berufsorientierung / Carolin Kunert [Hrsg.] ; Angelika Puhlmann [Hrsg.]. - Bielefeld. - (2014), S. 15-24. - ISBN: 978-3-7639-1171-4