Kooperatives Lernen ist eine besondere Form von Unterricht, der in Kleingruppen organisiert wird und dabei die sozialen Prozesse beim Lernen besonders thematisiert, akzentuiert und strukturiert. Der Entwicklung von der losen Gruppe zum Team mit erkennbarer Identität kommt hohe Bedeutung zu und setzt beim Lernenden neben sozialen Kompetenzen auch die Einsicht in die Möglichkeiten des Kooperativen Lernens und die Bereitschaft voraus, von anderen zu lernen und anderen in ihrem Lernprozess zu helfen. Diese Eigenverantwortlichkeit für die Gruppenlernprozesse muss sorgfältig angebahnt, unterstützt und ausgebaut werden. Bewusst wird eine positive gegenseitige Abhängigkeit der Gruppenmitglieder erzeugt, was sich sowohl auf die sozialen Interaktionsprozesse als auch auf die Arbeitsergebnisse oder –produkte günstig auswirkt. 
Die Gruppenprozesse beim Kooperativen Lernen sind mindestens genauso wichtig wie das Arbeitsprodukt (nach Weidner, M: Kooperatives Lernen im Unterricht).

Der Einstieg in eine kooperative Unterrichtsstunde besteht in Lehrerinstruktionen zu den Unterrichtszielen, in der Aktivierung der Lernenden und in ihrer Motivierung, sich auf den Gruppenprozess einzulassen.
Für den individuellen Lernprozess aber auch für das Lernen der Gruppe ist es bedeutsam, die Arbeitsschritte in den Kleingruppen nach dem „ICH – DU – WIR“-Prinzip (häufig als „Think-Pair-Share“ bezeichnet) zu organisieren:

  • Alle Mitglieder einer Kleingruppe setzen sich zunächst alleine mit der Aufgabe auseinander, können dabei eigene Vorstellungen entwickeln, können eigene Verstehensschwierigkeiten benennen und Lösungsideen entwickeln.
  • Erst nachdem ein eigener Standpunkt gefunden worden ist, tauschen sich die Mitglieder der Gruppe in einem zweiten Schritt untereinander aus, klären offene Fragen und finden gemeinsam eine Lösung. Jetzt ist der einzelne offen für das Lernen: er findet Hilfe für individuelle Probleme, überwindet Lernhemmungen und erweitert in der Kommunikation mit anderen seine Kenntnisse und Vorstellungen.
  • Im dritten Schritt präsentiert die Gruppe ihr Ergebnis. Das muss nicht immer vor der ganzen Lerngruppe erfolgen, es können z. B. auch Plakate entwickelt werden, etc. Auf jeden Fall muss das Gruppenergebnis zumindest von der Lehrperson angemessen gewürdigt werden. Zur Präsentation muss die Gruppe Einzelergebnisse gewichten, sich auf Hauptergebnisse und auf eine gemeinsame Darstellung einigen. Wichtig ist es in diesem Zusammenhang auch, den jeweiligen Lernzuwachs in den Gruppen zu sehen. 

Es bleibt dabei sicher ein Problem, die Einzelleistungen zu sehen und zurückzumelden.

Diese Form des Unterrichtens erlaubt ein hohes Maß an Individualisierung und Differenzierung und damit verbunden ein hohes Maß an individueller Förderung. So lassen sich z.B. leistungsheterogene genauso wie leistungshomogene Gruppen bilden, je nach den Anforderungen des Unterrichtsgegenstandes. Aufgaben können dem Förderschwerpunkt, dem Lerntempo, dem Kompetenzniveau und/oder den Interessen der Schülerinnen und Schüler angepasst werden.

Lehrkräfte können in den Arbeitsphasen dezidierte Beobachtungen zu Schülerinnen und Schülern machen und ihnen eine entsprechende Rückmeldung (Förderung) anbieten.

Rahmenbedingungen und Voraussetzungen kooperativen Lernens:  

  • Bereitschaft des Lernenden
  • Kompetenzen des Lernenden
  • Strukturierung der Interaktion
  • Art der Aufgabenstellung
  • Anreizstrukturen
  • Gruppenzusammensetzung
  • Phase des Lernprozesses

Zum Weiterlesen: