Schulabsentismus liegt vor, wenn sich Schüler und Schülerinnen während der Unterrichtszeit weder im Klassenraum noch in der Schule oder auf dem Schulgelände aufhalten. In der Regel werden mehrere Formen des Fernbleibens von Schule unterschieden:

  • Schulschwänzen, d. h. Schulversäumnisse einzelner Schüler und Schülerinnen ohne Kenntnis der Erziehungsberechtigten. Sie stehen häufig in engem Zusammenhang mit schulischen Versagenserlebnissen und Misserfolgen.
  • Fernleiben aus Angst, bei dem zwischen schulisch verursachten Ängsten (Leistungsangst, Ängste vor Lehrern oder Mitschülern) und auf Eltern bzw. gewohnte häusliche Umgebung gerichtete Ängste (Trennungsangst oder Verlustangst) unterschieden wird.
  • Systematisches und planvolles Zurückhalten von der Schule geht von Eltern (oder auch Betrieben) aus (z. B. das „Verlängern“ der Ferien) und wird immer häufiger in der Gesellschaft akzeptiert.
  • Fernhalten der Kinder vom Unterricht durch Erziehungsberechtigte betrifft vorwiegend Schüler und Schülerinnen im Grundschulbereich. Hier geht es um „Überbehütung“ durch Eltern manchmal aber auch um das Verschleiern der sichtbaren Folgen von z. B. familialer Gewalt bei Kindesmisshandlungen oder Vernachlässigungen. Erziehungsberechtigte oder familiennahe Personen entschuldigen das Fehlen dann meist ohne ärztliches Attest.

Unterrichtsabsentismus liegt vor, wenn sich Schüler während der Unterrichtzeit zeitweise nicht im Klassenraum, sondern im schulischen Bereich, also auf dem Schulgelände aufhalten. Solche Abwesenheiten sind das Zu-spät-kommen oder das vorzeitige Verlassen des Unterrichts mit unterschiedlichen Vorwänden.

Die genaue Betrachtung des Unterrichtsabsentismus macht deutlich, dass er als erstes Signal für einen drohenden Schulabsentismus zu sehen ist: Wird diesen Signalen keine oder nicht die nötige Bedeutung beigemessen und der Prozess nicht frühzeitig unterbrochen, führt dies zur Verstärkung des unerwünschten Verhaltens bei Schülerinnen und Schülern bis hin zu dauernder Abwesenheit vom Unterricht.

Nicht alle Schulschwänzer sind gleich. Vielmehr lassen sich nach einschlägigen Untersuchungen vier sehr unterschiedliche Typen von Schulschwänzern unterscheiden, die entsprechend unterschiedliche pädagogische und präventive Maßnahmen erfordern:

Typ I „blau machen": überdurchschnittlich intelligente, leistungsstarke Schüler, die durchaus schwänzen, aber dieses Mittel gezielt einsetzen, weil sie anderweitige Interessen haben oder Unterrichtsstunden als langweilig empfinden.

Typ II „regelmäßig schwänzen": der klassisch notorische Schulschwänzer mit unterdurchschnittlicher Intelligenz, sich kontinuierlich verschlechternden Schulleistungen und häufigen Klassenwiederholungen.

Typ III „vermeiden durch schwänzen": Vor allem Prüfungssituationen, Klassenarbeiten und andere „Bedrohungen" werden gezielt durch Abwesenheit vermieden. Bei durchschnittlicher Intelligenz und mittlerem Leistungsniveau führt dieses Verhalten im Verlauf der Schulzeit zu einem Absinken der Schulleistung nach der 4. Klasse.

Typ IV „schuldistanziert sein": überdurchschnittlich intelligente Schülerinnen und Schüler, deren Einstellungen ausgeprägt schulaversiv sind. Ihre Schulleistungen beginnen in der 1. Klasse auf einem sehr hohen Niveau und sinken dann kontinuierlich auf unterdurchschnittliche Werte ab.

Erfolgreiche pädagogische Interventionen gegen Unterrichts- und Schulabsentismus setzen so frühzeitig an, dass die Lehrkräfte die Schülerinnen und Schüler noch in der Schule bzw. Eltern ihre Kinder noch zur Hause erreichen können.