Schulverweigerung ist ein Hilferuf. Ordnungsmaßnahmen, wie sie in Schulgesetzen und Schulordnungen festgelegt sind, greifen bei massiver Verweigerung oft nicht. Es müssen andere Maßnahmen angeboten werden, um den betroffenen jungen Menschen zu helfen.

Ein Beispiel aus der wachsenden Anzahl von Hilfsprojekten ist das „Rather Modell - Hilfen für Schulverweigerer". Das Gemeinschaftsprojekt von Jugendhilfe und Schulen der Stadt Düsseldorf versucht, den unterschiedlichen Lebens- und Problemlagen der Kinder und Jugendlichen gerecht zu werden, indem differenzierte Förderangebote gemacht werden.

Vier außerschulische Standorte stehen dafür in Düsseldorf zur Verfügung. Sie richten sich an Schülerinnen und Schüler aus Haupt- und Förderschulen sowie Gesamt- und Realschulen. Jeder der Standorte wird von ein oder zwei Schulen und einem Jugendhilfeträger in enger Kooperation gemeinsam getragen.

Ziel dieser Maßnahmen ist es, die aufgenommenen Schülerinnen und Schüler Zutrauen zum eigenen Können und Leisten erfahren zu lassen, sie darin zu unterstützen Tagesstruktur zu entwickeln und persönliche Ziele zu erarbeiten. Hier können sie auf die weitere schulische und berufliche Integration vorbereitet werden. Dafür werden Räumlichkeiten angeboten, die sich außerhalb von angstbesetzten Schulgebäuden befinden, multiprofessionelle Mitarbeitende aus Schule und Jugendhilfe und eine hoch individualisierte Förderung.

Ziel des Projekts „Rather Modell" ist es, die Jugendlichen so weit zu fördern, dass sie

  • in ihre Stammschule oder eine vergleichbare Schule zurückkehren können,
  • an einer beruflichen Förderung teilnehmen können,
  • einer regelmäßigen Arbeit nachkommen können,
  • an Maßnahmen im Verbundsystem „Jugendberufshilfe" teilnehmen können.

Aufgenommen werden Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse, die den Schulbesuch massiv verweigern und von schuleigenen Reintegrationsbemühungen nicht mehr erreicht werden. Für alle wird die schulische und berufliche Perspektive in einem gemeinsamen Förder- und Hilfeplan erarbeitet und beschrieben. Dieser Plan ist Grundlage der Aufnahme in eines der vier Teilprojekte.

Der pädagogische Ansatz des „Rather Modells"

Die in das Projekt aufgenommenen Schülerinnen und Schüler leiden häufig unter psychischen und sozialen Problemen wie z.B.:

  • starken Schulphobien,
  • Schulängsten,
  • geringem Selbstwertgefühl,
  • Verstärkung ihrer Probleme durch ein ungünstiges Wohnumfeld,
  • beengten Wohnverhältnissen,
  • problematischen familiären Verhältnissen.

Die Einstiegsphase des Projektes berücksichtigt diese Problemlagen, indem die Jugendlichen zunächst ein sehr niederschwelliges Angebot erhalten. Sie sind extrem ängstlich und vorsichtig. In ihrer Sozialisation haben sie kaum zuverlässige und verbindliche Strukturen kennen gelernt. Sie brauchen Aufgabenstellungen, die möglichst rasch Erfolge ermöglichen. Auf diesem Weg und durch positive Verstärkung können das Selbstwertgefühl und Zutrauen zu den eigenen Fähigkeiten aufgebaut werden.

Die Schülerinnen und Schüler brauchen dabei feste Bezugspersonen und eine familienähnliche Situation. Vielen der jungen Menschen fehlt es an belastbaren Beziehungen. Zu viele Enttäuschungen haben sie misstrauisch gemacht.

Die Jugendlichen benötigen ein gestuftes Angebot mit häufigem Wechsel der Arbeitsformen. Dabei sind Erfahrungen über praktisches Tun eine besonders geeignete Form, Erfolge erleben und eine neue Selbstbeschreibung entwickeln zu können. Für ihre persönliche Entfaltung wird ihnen Raum zur Identitätsfindung sowie sozialpädagogische Unterstützung in allen Lebensbereichen angeboten.

In der Stabilisierungsphase geht es darum, mit geeigneten Programmen die grundlegenden Kenntnisse in den Bereichen Sprache (Lesen, Schreiben) und Mathematik aufzubauen und zu festigen, denn viele der Schülerinnen und Schüler haben seit Jahren keinen geregelten Unterreicht mehr besucht und viel verpasst.

Die Jugendlichen haben dann die Möglichkeit durch intensive schulische Förderung in den Projekten auch den Hauptschulabschluss zu absolvieren.

Das Ziel des Projektes wird mit der Vermittlungsphase erreicht, wenn die Jugendlichen von sich aus wieder eine schulische und/oder berufliche Integration suchen.

Weitere Informationen unter: www.rather-modell.de

(Rather Modell e.V. Vorsitzender: Peter Zerfaß, c/o Städtische Förderschule mit den Förderschwerpunkten Lernen sowie emotionale und soziale Entwicklung
Alfred-Herrhausen-Schule, Carl-Friedrich-Goerdeler-Straße 2, 40595 Düsseldorf)