Schulphobie ist ein Vermeidungsverhalten ohne direkten Bezug zur Schulsituation.  Insbesondere bei jüngeren Kindern spielt  Trennungsangst/Verlustangst häufig eine zentrale Rolle, d. h. eine extreme Angst vor einer Trennung von der Bezugsperson. Zwei Drittel der Kinder, die an einer vom Arzt diagnostizierten emotionalen Störung mit Trennungsangst leiden, verweigern den Schulbesuch. In der Regel geschieht dies mit Wissen der Eltern (bzw. der Bezugsperson). Schulisch verursachte Ängste (Leistung, Mitschüler, Lehrkräfte u. a.) kommen eher bei älteren Schülerinnen und Schülern vor. 

Schulphobische Kinder sind den Leistungsanforderungen in der Schule in der Regel gewachsen, ihre Intelligenz ist normal. Sie machen gewissenhaft ihre Hausaufgaben, bereiten sich auf Prüfungen vor, packen ihre Schultasche etc. Doch auf dem Weg zur Schule kehren sie plötzlich wieder nach Hause um. Oder sie verlassen das Haus von vorneherein nicht, weil sie sich unwohl fühlen, da sie jede Art von Trennung von ihren primären Bezugspersonen bzw. der gewohnten Umgebung als bedrohlich erleben.

Häufig treten heftige psychosomatische Beschwerden (Bauchschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Kreislaufschwäche) auf, wenn eine Trennung von der Bezugsperson bevorsteht. Diese sind aber oft umgehend wieder vorbei, wenn die betroffenen Kinder bei ihrer Bezugsperson bleiben können. Häufig befürchten sie, dass dieser etwas zustoßen könnte. Ihre Angst vor Krankheit, Sterben und Tod ist generell stark ausgeprägt, und sie haben häufig Alpträume von Trennungssituationen.

Die Persönlichkeit von Kindern mit Trennungsangst/Verlustangst wird oft als ängstlich, empfindsam und depressiv beschrieben. Sie versuchen zu vermeiden, tagsüber auch nur kurzzeitig allein gelassen zu werden, oder abends alleine ohne Licht einschlafen zu müssen. Sie wirken schüchtern, zurückgezogen und haben oft auch soziale Ängste gegenüber anderen Kindern. Gleichzeitig können sie gegenüber ihren Eltern zum Teil sehr fordernd und manchmal auch aggressiv auftreten, da die überstarke und enge Bindung an die Bezugspersonen zum einen Schutz bietet, aber gleichzeitig auch als sehr einengend erlebt werden kann.

Meistens liegen die Ursachen für eine Schulphobie in problematischen Familienkonstellationen oder es liegen traumatische, unverarbeitete Trennungserlebnisse, Verluste und Enttäuschungen vor. Eine sehr enge und gleichzeitig unsichere Bindung an eine Bezugsperson kann zu panischer Trennungsangst führen. Hat ein Kind noch keine emotionale Selbstständigkeit entwickelt, ist es auch noch nicht bereit, sich von seiner primären Bezugsperson zu lösen. In der Schule muss es das aber. Es fühlt sich hilflos, ohne Orientierung. Aus diesem Verlust an Geborgenheit kann Angst entstehen. 

Häufig gibt es unter schulphobischen Kindern solche, die von ihren Eltern sehr innig beschützt und verwöhnt (überbehütet) werden. Oder aber es handelt sich um Kinder, die sich Sorgen um ihre (problembeladenen, einsamen oder kranken) Eltern machen, und die in ihrer Familie eine unangemessen große Verantwortung übernehmen, wobei sie neben den Eltern evtl. auch noch Geschwister zu versorgen haben. Oder aber das Kind wird durch die unkontrollierbaren Ängste und Sorgen seiner Eltern überfordert. In manchen Fällen leidet eigentlich die Mutter an einer Trennungsangst, die sich dann in Form einer Schulphobie bei ihrem Kind bemerkbar macht.

Der Text basiert auf den Informationen der Webseite „Neurologen und Psychiater im Netz“.