Jungen sind die neuen Problemkinder: Sie sind unkonzentrierter und lauter, stören häufiger, fordern mehr Aufmerksamkeit, sind unkooperativer und aggressiver als Mädchen. In der Schule verlangen sie mehr Zeit und Raum, sind oft aber auch schneller abgelenkt und schreiben schlechtere Noten. Nach Jahren der Mädchenförderung rücken die Jungen in den Fokus der Aufmerksamkeit. Aber sind Jungen wirklich so auffällig, wie es auf den ersten Blick scheint? Wie können wir ihre Entwicklung fördern? Und welche Rolle spielen Bewegung, Spiel und Sport dabei?

Das Projekt „Jungenförderung im Sport“ betrachtet die Bedingungen des Aufwachsens von Jungen aus einer jungenparteilichen Perspektive. Darauf aufbauend wurde ein Konzept der Entwicklungsförderung von Jungen durch Bewegung, Spiel und Sport entwickelt. Im Mittelpunkt steht das sogenannte „Variablenmodell“, das sowohl aktive, leistungsbezogene, als auch passive, reflexive Aspekte integriert. Es setzt weniger bei den Defiziten und Problemen von Jungen an, sondern greift ihre Wünsche und Bedürfnisse auf –sowohl nach wilden Balgereien und ‚richtigem’ Sport als auch nach sozialen Kontakten und Entspannung.

Im Zentrum der hieraus entwickelten Fortbildungen stehen vielfältige Bewegungs- und Spielformen zur Jungenförderung. Die Spielideen eignen sich für Jungen von der Primarstufe bis zur Sekundarstufe I. Sie orientieren sich an acht jungentypischen Handlungsfeldern: Gewinnen und Verlieren, Kooperation und Konkurrenz, Sensibilität und Kraft, Nähe und Distanz, Spannung und Entspannung, Wagnis und Risiko, Regeln anerkennen und Regeln überschreiten, Ausdruck und Präsentation. Das Konzept ist mehrfach erprobt und evaluiert. In der Fortbildung werden ausgewählte Praxisbeispiele ausprobiert und reflektiert.

Zum Angebot: http://www.jungenfoerderung-im-sport.de/

Kontakt: Prof. Dr. Nils Neuber, Westfälische-Wilhelmsuniversität, Institut für Sportwissenschaft, Horstmarer Landweg 62 b, 48149 Münster