Elementarförderung und Zusammenarbeit mit Eltern

Elementarförderung ist nur unter Einbeziehung der Eltern wirksam. Eltern gewährleisten die physischen und psychosozialen Bedürfnisse ihrer Kinder (Schutz, Ernährung, Wohnung und Gesundheitsfürsorge). Sie gehen auf entwicklungsspezifische und emotionale Bedürfnisse ihrer Kinder ein. Sie ermutigen, erziehen und begleiten mit Zuneigung. Eltern haben die wichtige Aufgabe, die Sozialisierung des Kindes durch Vermittlung sozialer Beziehungen in der Familie einzuüben.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass das System Kind-Eltern-Umfeld zum Teil einem raschen Wandel unterworfen ist. Familienzusammensetzungen und Rollenzuweisungen verändern sich in der Gesellschaft und auch innerhalb einer Familie (Wohnortwechsel, Partnerwechsel). In Ein - Eltern - Familien übernehmen weiterhin häufig die Mütter die elterlichen Aufgaben. Sie sind oft durch gleichzeitige Berufstätigkeit doppelt belastet, sodass auch Großeltern oder andere Familienmitglieder elterliche Rollen und Aufgaben übernehmen. Gleichzeitig wächst auch die Zahl der Familien, in denen beide Eltern berufstätig sind. Die genannten Familienstrukturen bringen manchmal einen Mangel kindbezogener Aktivitäten mit sich. Effektive Kindertageseinrichtungen mit einem qualifizierten Angebot sind oft ein dringendes Erfordernis.

In der Elementarförderung ist die Bewältigung der vielfältigen Fürsorgeaufgabe durch die Eltern und Familien entscheidend. Eine vertrauensvolle Kooperation insbesondere mit den primären Bezugspersonen des Kindes und eine detaillierte Kenntnis der familiären Lebenssituation sind dabei von großer Bedeutung. Pädagogisch Handelnden in Kindergarten, Kindertagesstätte und Schule kommt hier mit dem Auftrag des Kinderschutzes und dem Auftrag der Prävention von Kindeswohlgefährdung (Bundeskinderschutzgesetz) eine wichtige familienergänzende Aufgabe zu.

Entwicklung und Entwicklungsförderung findet in einem komplexen Zusammenspiel vielfältiger Einflussfaktoren statt. Aufschlussreich sind die drei Ebenen der familiären Lebenssituation (Kind, Eltern und Umfeld), um angemessene Interventionsansätze zu finden. Das Augenmerk wird dabei auf Stärken und Ressourcen gerichtet.

Kompetenzen und Ressourcen des Kindes sind Ziel- und Ansatzpunkt von Elementarförderung. Hierzu gehören neurologische/somatische Faktoren, z. B. die kognitiven Fähigkeiten und speziellen Fertigkeiten des Kindes sowie funktionelle oder sensorische Kompensationsmöglichkeiten. Positive emotionale Eigenschaften wie Motivation, Frustrationstoleranz, bestimmte Temperamentseigenschaften, Durchhaltevermögen und Leidensfähigkeit sind weitere Ansatzpunkte der Förderung. Interaktive Stärken stellen u. a. Bindungsfähigkeit, Flexibilität, liebenswerte Eigenschaften, Selbstregulationsfähigkeit, die Bereitschaft, Hilfe anzunehmen und Kommunikationsfähigkeit dar.

Darüber hinaus spielen im Rahmen einer Elementarförderung Beeinträchtigungen des Kindes eine wichtige Rolle. Neben sensorischen, motorischen oder mentalen Entwicklungsstörungen bzw. Behinderungen finden Begleiterkrankungen und reaktive Störungen, z. B. ein schwieriges Temperament des Kindes und auch akute Erkrankungen Beachtung.

Die elterliche Einschätzung des Kindes und die Reaktion der Eltern auf Entwicklungsstörungen, Krankheiten und Behinderungen des Kindes können sich von denen professioneller Förderer der kindlichen Entwicklung stark unterscheiden. Erfolgreiche Elementarförderung kennt und berücksichtigt das Bewältigungsverhalten der Eltern, d.h. ihre Reaktionen auf die von Fachleuten mitgeteilten und/oder die von den Eltern wahrgenommenen Entwicklungsstörungen/Behinderungen/Krankheiten ihres Kindes. Die Elementarförderung sieht in der regelmäßigen Betreuung des Kindes und der Eltern eine wichtige Aufgabe, sie hilft Ressourcen der Familien zu mobilisieren, soziale Unterstützung zu erreichen und mit den Eltern realistische Ziele zu entwickeln.

Nach: Harald Bode in Frühförderung interdisziplinär 2/02

 

 

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