Umgang mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

Kinder, die an der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leiden, wirken überdreht und sind leicht ablenkbar; sie handeln unüberlegt, unorganisiert und haben eine deutlich niedrigere Frustrationstoleranz. Zudem tragen sie ein höheres Risiko für andere psychiatrische Erkrankungen. Auch die Gefahr des Drogenmissbrauchs ist statistisch gesehen bei diesen Kindern deutlich erhöht.

Allerdings gibt es nach Untersuchungen des Leiters der Abteilung für neurobiologische Grundlagenforschung an der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen, Professor Gerald Hüther, für die Vermutung, ADHS könne genetisch bedingt sein, bislang keine stichfesten Beweise. Was den meisten Kindern fehle, seien „feste Strukturen“. Hüther rät daher: „Es ist zum Beispiel schon eine strukturgebende Maßnahme, das Kind anzuschauen, vielleicht sogar anzufassen, wenn man mit ihm spricht. Dadurch merkt das Kind, dass es bedeutsam ist. Und Bedeutsamkeit ist eine Struktur. Man sollte im Familienleben auf feste Strukturen achten. Gibt es gemeinsame Mahlzeiten, Einschlafrituale? Rituale sind für Kinder extrem wichtig, sie sind strukturbildend“.

Die in letzter Zeit häufig verwandte ADHS - Arznei Ritalin mit dem Wirkstoff Methylphenidat hält Hüther allerdings demgegenüber nur für eine „Notlösung“, obwohl der Ritalin - Verbrauch nach Angaben der Bundesopiumstelle in den letzten drei Jahren um 270 % gestiegen ist. Eine medikamentöse Behandlung sollte stets mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen zum Trainieren eines bestimmten Verhaltens genutzt werden

 

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