Angst - ein Signal auch bei Übergängen

Auf Schulangst differenziert reagieren

Ängste im Zusammenhang mit dem Schulbesuch und -wechsel können unterschiedliche Ursachen haben. Beispiele sind Trennungsschwierigkeiten von der gewohnten Klasse/Gruppe/Umgebung, schlechte Behandlung durch Mitschüler, Ablehnung durch einen Lehrer, charakterliche Besonderheiten des Kindes.

Angst als zum Leben gehörig betrachten

Übergänge in ein anderes (neues) Beziehungsumfeld verunsichert die meisten Menschen. Bei Schülerinnen und Schülern ist  Angst immer ein wichtiges Signal.

Folgende Verhaltensweisen können Ausdruck von Angst sein: Ausweichen und Vermeiden von bestimmten Situationen, Ablehnung, tyrannisches oder forderndes Verhalten, Zwangshandlungen und Zwangsgedanken, Ein- und Durchschlafstörungen, Anklammern und Protest bei Trennungen, körperliche Beschwerden (wie Bauchschmerzen, Herzstiche, Atemnot), Bettnässen und Stottern.

Kinder profitieren in ihrer Entwicklung davon, wenn sie erleben, dass sie ihre Ängste verkraften lernen und wie sie mit ihnen umgehen können. Sie werden in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gestärkt und sicherer im Umgang mit Problemen und Ängsten. Auf diese notwendigen Erfahrungen lassen sich Kinder eher ein, wenn sie sich in ihrer Familie und auch im engeren und weiteren Umfeld von Schule geborgen und gehalten fühlen und so Vertrauen in die Welt entwickeln können.

Eigene Ängste selbst bewältigen statt weiter geben

Eltern und nahe Bezugspersonen ebenso wie Lehrkräfte sind in diesem Erfahrungskontext ein Modell für die Kinder, die häufig von den Menschen in ihrer Umgebung nicht nur ihr Verhalten, sondern in der Regel auch den Umgang mit Gefühlen erlernen. Wenn sich Kinder unsicher fühlen und sich in diesen Situationen bei ihren wichtigen Bezugspersonen rückversichern, werden sie bevorzugt deren vorherrschende Gefühle und die damit zusammenhängenden Verhaltensweisen übernehmen. Ängstliche Mütter z. B. haben daher vermehrt auch ängstliche Kinder.

Durch „Lust an Neuem“ der „Fremdenangst“ vorbeugen

„Fremdeln“ ist kulturabhängig und kommt in manchen Kulturen gar nicht vor. Dass „Fremdeln“ („Fremdenangst“) in Deutschland keine Seltenheit ist, hängt vermutlich auch damit zusammen, dass Kinder hier oft in engen Einzelbeziehungen aufwachsen. Vielen fehlt die Erfahrung, sich auf mehrere Personen einzulassen. „Neues“ kann bei Menschen gleichermaßen Angst und Lust auslösen. In welche Richtung jemand mehr tendiert, hängt in der kindlichen Entwicklung oft vom Vorbild der Eltern, d.h. der nahen Bezugspersonen, ab.

Trennungsängsten durch Betreuernetz vorbeugen

Trennungen, z. B. längerer Abschied, Übergängen von einer Schule/Klasse zur anderen sind unvermeidbare Lebenserfahrungen, die keinem Kind erspart bleiben. Trennungen zu bewältigen, auszuhalten sind ein wichtiger Schritt zu Selbstbestimmung und Eigenständigkeit. Der Umgang mit Trennungsangst fällt leichter, wenn viele kleine Trennungen auf dem Boden eines Betreuernetzes unterschiedlicher Personen bewältigt, gelernt werden kann.

Den Umgang mit Aggression erleichtern

Angst und Aggression sind Ausdruck bzw. Folge derselben inneren Erregungssituation. Entwicklungsgeschichtlich gesehen ist dies sinnvoll, weil Angst Energien mobilisiert, die nicht nur Flucht-, sondern auch Angriffstendenzen (Gegenwehr) fördern. Oft haben Menschen Angst vor anderen, weil sie an sich selbst spüren, zu welcher Aggression (Gewalt) sie prinzipiell in der Lage sind. Im Kontext von Angst- und Aggressionsgefühlen geht es folglich darum, „Kompetenzen“ zu vermitteln und zu erwerben, mit denen Kinder mit Angst- und Aggressionsgefühlen umgehen lernen, d. h. schwierige Situationen lösen können.

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