Bericht zum Workshop: Prof. Dr. Bernhard Sieland „Verantwortung für ein konstruktives Miteinander übernehmen“

Ein dutzend Teilnehmer sitzen erwartungsfroh im Saal, als ein quirliger, sympathischer Mann den Raum betritt und dann auch mittels Folien direkt zur Tat schreitet. In dem  Workshop von Herrn  Prof. Dr. Sieland wird es  um das Thema  „Verantwortung für ein respektvolles Miteinander an unserer Schule übernehmen“ gehen. Er stellt zunächst drei Themenbereiche zur Wahl: 1. Umgang mit sich selbst, 2. Umgang mit Unsympathen und 3. Partizipation. Die Kollegen entscheiden sich für Thema eins und zwei.  

Die Basis für eine gute professionelle Arbeit als Lehrer stellt nach Sielands Ansicht der positive Umgang mit sich selbst und der eigenen Gesundheit dar. Herr Sieland verdeutlicht Möglichkeiten der „emotionalen Selbsternährung“ anhand von anschaulichen Beispielen aus dem Leben. Er zeigt auf, wie man sich Ankerreize für ein Wohlfühlgefühl als mentales Gegenbild in Stresssituationen schaffen kann und wie man lernen kann, positive Augenblicke zu sammeln und aus den geschaffenen positiven Bildern eine Art „Schwimmring“ für Notfälle, denen jeder irgendwann im Leben ausgesetzt sein wird, zu schaffen. Wunderbar unterhaltend wirken  Sielands immer wieder eingestreute Lebensformeln, z.B. „Denkst du noch oder grübelst du schon?“ oder „Wolken von gestern über der Sonne von heute“.  Es geht immer wieder darum, Quellen für ein positives Bewusstsein anzuzapfen und so eine proaktive Stimmungsstabilisierung selbst zu unterstützen. Hierfür stellt er Möglichkeiten vor, die auch z.B. ein von ihm entwickeltes Dankbarkeitstraining für Lehrer und Schüler per App einschließen. Er fokussiert in seinem Vortrag  das Wahrnehmungstraining als eine Antwort auf die Frage „Wie kann ich erfolgreich scheitern?“.  Die Selbstwertschätzung, der bewusste Umgang mit den eigenen Fähigkeiten und Kräften sowie das Schulen eines Blickes für das Gute und seine Geber, auch im schulischen Alltag, ermöglicht den Aufbau einer Resilienz und verhindert das Abdriften in Resignation  bei Schicksalsschlägen, aber auch bei normalen alltäglichen Misserfolgen. In einer kurzen Murmelphase tauschen sich die Teilnehmer über ihre Erfahrungen und Umgangsweisen aus, bevor im Plenum hierüber diskutiert wird. Bei der Frage nach der Wirksamkeit z.B. eines Dankbarkeitstrainings verweist Herr Sieland auf das Ergebnis einer Studie, in der belegt werden konnte, dass das Training zu einer nachhaltigen Reduktion von Depressionen innerhalb einer Studie mit 500 Teilnehmern, die an Schlafstörungen litten, geführt habe.

Der zweite Block des, wegen seiner Informationsdichte gefühlt mehrstündigen Workshops, tatsächlich aber nur 50 minütigen Workshops, widmete sich dem Thema „Umgang mit Unsympathen“. Hierzu klärt Sieland erste einmal auf, dass der Lehrberuf durchaus auch schauspielerische Qualitäten seitens der Lehrerpersönlichkeit voraussetzt. Er verdeutlicht den Unterschied zwischen privater und professioneller Identität und er unterscheidet bei der professionellen Identität noch einmal zwischen innerer und äußerer Identität. Die Emotionsarbeit, die der Schulbetrieb und das Unterrichten täglich erfordern, soll im besten Fall zielführend und „nebenwirkungsbewusst“ sein.  Er spricht vom „bezahlten Herz“, d.h.  der Lehrer soll  in der Lage sein, einen Gefühlsausdruck, der im Einklang mit den normativen Darstellungsregeln einer Arbeitssituation besteht, hervorrufen können. Hierbei sei es hilfreich, sich die Trennung zwischen Täter und Tat zu verdeutlichen  und sich  die Frage, ob bestimmte Menschen Macht über einen haben, zu stellen. Auch hierzu gibt es wieder eine kleine Übung zu dem von ihm vorgestellten Wertequadrat, in dem es um eigene Wertungen, Überbewertungen und die Werte z.B. des „Unsympathen“  geht.

Auch hier geht es Sieland wieder um die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, im Prinzip als Auftrag an die Lehrerschaft um professionell und verantwortungsvoll arbeiten zu können:  „See it – Feel it“, „Love it“ oder „Leave it“  und  „Change it“! Zum Abschluss appelliert Herr Sieland eindringlich daran, der Wertschätzungskultur an Schulen mehr Raum zu geben und die Bedeutung der emotionalen Kompetenz  gegenüber der Fachkompetenz in den Vordergrund zu stellen.

Auf die Frage nach den „Rosinen“ des Workshops, um im Sprachjargon Sielands zu bleiben, wurden seine praktischen Übungen im Workshop, insbesondere  die Übung zum Wertequadrat, genannt und seine motivierende, kompetente und authentische Persönlichkeit  hervorgehoben. Gemeinsam aber war bei allen befragten Teilnehmern des Workshops eine kleine Aufbruchsstimmung zu erspüren, frei nach dem von Sieland in seinem Vortrag zitierten Satz nach Rainer Maria Rilke:

„Du musst dein „Ändern“ leben!“.

 

Angela Breer

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