"Schwierige" Schüler machen Probleme – schwierige Schüler haben Probleme

Die Mehrheit der jungen Menschen findet nach dem allgemeinen Schulabschluss den Einstieg in eine betriebliche, außerbetriebliche, schulische oder hochschulische Ausbildung. Bei einem Teil der Schulabgänger gelingt der Übergang ins Berufsleben aufgrund Ihres Verhaltens nicht. Die Chancen dieser Jugendlichen, einen betrieblichen Ausbildungsplatz zu finden, werden oft von vielfältigen, sich überlagernden oder interagierenden (bildungs-)biografischen Faktoren bestimmt, wie z. B. Migrationshintergrund, Alter, persönliche Problemlagen, mehr oder weniger günstige Vorbildung und schulische Ausbildungsvoraussetzungen sowie bereits erfolglos durchlaufene Fördermaßnahmen.

Seit vielen Jahren engagiert sich das Eduard-Spranger-Berufskolleg für Jugendliche, denen es noch nicht gelungen ist, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, weil die berufliche Bildung eine besondere Integrationskraft auch für Jugendliche mit schlechteren Startchancen hat, die es zu nutzen gilt.

Die pädagogische Praxis hat sich über weite Strecken vor allem an Defiziten orientiert. Nicht in schlechter Absicht, sondern um das Defizitäre zu beseitigen. Die Jugendlichen wurden auf ihre Schwächen und Mängel hingewiesen, um ihnen zu zeigen, was für einen erfolgreichen Start in das Erwerbsleben fehlt.

Das Ziel des Eduard-Spranger-Berufskollegs in den Klassen der Ausbildungsvorbereitung ist es, Jugendliche in ihren Ressourcen und Stärken zu bestätigen und diese zu entwickeln. Den Lernenden soll eine „Entwicklungs-Umgebung“ zur Verfügung stehen, in der sie ihre Kompetenzen Schritt für Schritt entfalten können. Die Reduzierung auf rein schulische Lernumgebungen würde vielen Jugendlichen nicht gerecht. Die Schülerinnen und Schüler sollen die Möglichkeit haben, ihre Fähigkeiten und Talente in der Praxis zu erproben bzw. unter Beweis zu stellen. Ein intensiv betreutes Jahrespraktikum stellt einen idealen Rahmen für individuelle Erfahrungen in der Arbeitswelt dar. Allerdings birgt dieser Ansatz auch Risiken, da die Betriebe in nachvollziehbarer Weise nicht so „geduldig“ sind, wie Schule es meist ist. Die Jugendlichen und die Praktikumsbetriebe werden von den Lehrerinnen und Lehrern des ESBKs intensiv betreut. Lehrkräfte fungieren als Coach und sollen von den Schülerinnen und Schülern als Mentoren wahrgenommen und erlebt werden – es gilt wegzukommen von einer reinen Defizitorientierung. Am Hospitationstag stehen die dargestellten pädagogischen Ansätze für Interessierte zur Diskussion.

 

Ort: Eduard-Spranger-Berufskolleg, Goldbergstraße 58-60, 45894 Gelsenkirchen
Datum: Mittwoch, 31.05.2017
Beginn: 9.00 Uhr
Ende: max.16.00 Uhr

Maximale Anzahl der TN: 20

 

Überblick über den Tagesablauf:

09.00 Uhr Begrüßung und Einführung
09.15 Uhr „Schwierige“ Schüler am Berufskolleg – Notwendigkeit von Konzepten zur Förderung „verhaltensauffälliger“ Schüler (Ralf Niebisch)
09.45 Uhr Schwierige Jugendliche haben Probleme – schwierige Jugendliche machen Probleme: Vorstellung von Schülerbefragungen zu ihrer Sicht auf Schule
10.15 Uhr Aussprache/Diskussion/weitere Rückfragen zum Input
10.30 Uhr Vortrag „Was denn noch!? – Leitlinien und Aspekte in der Zusammenarbeit mit (verhaltensauffälligen) Jugendlichen“ (Ibrahim Ismail)
12.00 Uhr Aussprache/Diskussion/weitere Rückfragen zum Input
12.30 Uhr Mittagspause
13.15 Uhr Arbeitsgruppen 1, 2 u. 3: Was braucht es an Schule, damit auch „schwierige“ Schüler erfolgreich integriert werden?
15.00 Uhr Plenum: Präsentation der Ergebnisse der Arbeitsgruppen „Markt der Möglichkeiten (nur Ideenskizzen)“ mit anschließender Diskussion über die Ideen
15.45 Uhr Aussprache über den Tag

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