"Ein besonderes Anliegen, den Übergang reibungslos zu gestalten"

Über die Arbeit des Netzwerks Binnendifferenzierung & Übergänge im Regierungsbezirk Münster sprachen wir mit Björn Igelbrink, Vertreter der Referenzschule Graf-Adolf-Gymnasium Tecklenburg.

 Wie und wann kam Ihre Schule darauf, sich mit den Themen Binnendifferenzierung und Übergänge intensiver zu befassen?

Durch unseren ländlichen Einzugsbereich bekommen wir jedes Jahr Fünftklässler von circa einem Dutzend unterschiedlicher Grundschulen. Deshalb ist es uns ein besonderes Anliegen, den Übergang reibungslos zu gestalten. Und mit dem Bereich der Binnendifferenzierung tragen wir der Schülerschaft somit zudem zusätzlich Rechnung.

Welche Erwartungen und Hoffnungen hatten Sie und die beteiligten Kolleginnen und Kollegen an Ihrer Schule zur Netzwerkarbeit vor dem ersten Treffen?

Wir hoffen, durch die Netzwerkarbeit neue Impulse zu bekommen. Besonders wichtig war es für uns, dass neben Gymnasien auch andere Schulformen vertreten sind – insbesondere aus dem Primarbereich.

Das erste Netzwerktreffen des Teilnetzwerks Binnendifferenzierung & Übergänge in Tecklenburg


Sie haben in Ihrem Netzwerk die Themen Binnendifferenzierung und Übergänge sehr intensiv und von verschiedenen Seiten her bearbeitet. Welche inhaltlichen Schwerpunkte wurden hierbei gesetzt?

Ein inhaltlicher Schwerpunkt war das Kennenlernen der unterschiedlichen Schulformen. Die Gestaltung des Übergangs von der Primarstufe zur Sekundarstufe ist ein Arbeitsfeld für die abgebenden Grundschulen und natürlich auch für die weiterführenden Schulen. Es war interessant zu erfahren, welche Themen die anderen Schulen bewegen. 

Welche Konzepte und Modelle sind bei den beteiligten Schulen auf besonderes Interesse gestoßen?

Uns am Graf-Adolf-Gymnasium liegt die Gestaltung eines nahtlosen Übergangs von den abgebenden Grundschulen am Herzen. Da besonders die schriftlichen Kernfächer Deutsch, Englisch und Mathematik im Blickfeld der Eltern und Schüler stehen, liegt unser Schwerpunkt im kollegialen Austausch. So haben wir zu Englisch und Mathematik bereits gemeinsame Konferenzen mit den Grundschulkollegen unseres Einzugsbereiches gehalten. Für das Fach Deutsch steht das noch aus. Die Idee des Logbuchs und der Differenzierungsmatrix, die die Netzwerkschule aus Oer-Erkenschwick – die Paul-Gerhard-Hauptschule – vorgestellt hat, hat zudem unser Interesse geweckt.

Gemeinsam mit den anderen teilnehmenden Schulen des Netzwerks Binnendifferenzierung und Übergänge hat Ihre Schule besondere Expertise erworben und weiterentwickelt. Was würden Sie anderen Schulen empfehlen, die sich in Sachen Binnendifferenzierung und Übergänge auf den Weg machen wollen?

Es ist sicherlich hilfreich, einen Arbeitsschwerpunkt auszuwählen. Für das Graf-Adolf-Gymnasium ist dies die Gestaltung des Schulübergangs. Ein wichtiger Tipp ist das Kennenlernen der Grundschulen durch gegenseitige Hospitationen, gemeinsame Konferenzen oder einen Schnuppernachmittag für die neu angemeldeten Viertklässler noch vor den Sommerferien. Der Besuch von Lehrern der weiterführenden Schulen an den Grundschulen, wo beispielsweise die Kinder der Jahrgangsstufe 4 ein „Heimspiel“ haben und dem Lehrer der weiterführenden Schule sich und ihre bisherige Schule vorstellen können, baut Berührungsängste ab. Etwas mehr Koordination verlangt zudem das Unterbreiten von Angeboten für Grundschüler, die Interesse an der weiterführenden Schulform wecken. Im Herbst 2015 gab es beispielsweise bei uns die Premiere mit der langen Nacht der Mathematik. An einem Freitag Abend waren über 40 Grundschüler bei uns, die gerne an Matheaufgaben knobeln, und haben fünf Stunden lang gerechnet und zwischendurch bei der „Jagd nach dem GAG-Mathe-Orakel“ mit Taschenlampen bereits die dunkle Schule erkundet.

Mathe-Knobeln in der Nacht: Schülerinnen und Schüler des Graf-Adolf-Gymnasiums Tecklenburg erklären Grundschülerinnen und Grundschülern den Ablauf der "Langen Nacht der Mathematik"


Die gesamte Netzwerkarbeit zielt letztlich auf die individuelle Förderung von Kindern und Jugendlichen ab. Wovon profitieren die Schülerinnen und Schüler an Ihrer Schule besonders?

Unseren Schülern kommt sicherlich zugute, dass gerade die Lehrer, die in der Erprobungsstufe unterrichten, von den Gesprächen in den Fächern Englisch und Mathematik Ideen und Erfahrungen mitnehmen dürfen, die sie im Austausch mit den Grundschulkollegen sammeln durften. So sind die erreichten Kompetenzen der Grundschüler präsenter,  ihre bereits in vier Schuljahren erworbenen methodischen Kenntnisse bekannter und die Formen der bisherigen Leistungsüberprüfung gegenwärtiger. 

Was war Ihrer persönlichen Erinnerung nach ein „Highlight“ der Netzwerkarbeit?

Besonders interessant und aufschlussreich waren die überregionalen Netzwerktreffen wie beispielsweise mit dem „Markt der Möglichkeiten“ in Essen oder mit informativen Vorträgen bei der letzten Zukunftsschulen-Landestagung in Wuppertal. Da gab es viel Input über das eigene Netzwerk hinaus und es wurde besonders deutlich, was andere Schulen in Nordrhein-Westfalen bereits für Ideen entwickelt haben, die jede Schule sicherlich als Inspiration für die Weiterentwicklung unter den eigenen Gegebenheiten nutzen kann.

Was sind ihrer Erfahrung nach die Erfolgsbedingungen und Hürden erfolgreicher Kooperation in Netzwerken? Oder anders gefragt: Wann klappt Netzwerkarbeit, wann nicht?

Sehr wichtig ist die Begleitung durch die Netzwerkmoderatoren, die Impulse setzen und Kontakte knüpfen helfen. Auch feste Ansprechpartner innerhalb der teilnehmenden Schulen erleichtern die Kommunikation und den Austausch. Zudem muss die Anzahl der teilnehmenden Schulen überschaubar sein. Und wenn dann auch noch kurze Wege und regionale Nähe beispielsweise Hospitationen oder gemeinsame Konferenzteilnahmen ermöglichen, sind die Voraussetzungen für eine gelingende Netzwerkarbeit sicherlich günstiger.

Interesse an der weiterführenden Schule wecken: Grundschülerinnen und Grundschüler bei der "Langen Nacht der Mathematik" am Graf-Adolf-Gymnasium Tecklenburg


Im Netzwerk haben Sie sich regelmäßig getroffen. Wie wichtig war der persönliche Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen anderer Schulen?

Damit steht und fällt die Netzwerkarbeit. Der Input beispielsweise durch externe Referenten oder in Form von wissenschaftlichen oder theoretischen Vorträgen ist zwar das eine Standbein von Netzwerkarbeit. Aber noch viel wichtiger ist der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen. Das kann in Form von Gesprächen sein, aber hilfreich ist es ebenfalls, wenn Materialien, Publikationen oder andere Ergebnisse, die sich an der einen Schule bewährt haben, im persönlichen Austausch weitergegeben werden.

Worin liegen ihren Erfahrungen nach die besonderen Vorteile und Stärken von Netzwerkarbeit?

Ein Pluspunkt ist, dass man sich gegenseitig inspirieren kann. Es motiviert und ist lehrreich zu erfahren, was so die Baustellen an anderen Schulen sind. Auch die Vielfalt beispielsweise der Schulformen gestattet einen anderen Blickwinkel auf das eigene Tun.  Ein weiterer Vorteil ist der persönliche kollegiale Austausch. Wenn jemand an seiner Schule in einem Arbeitsfeld besonders versiert ist, nehmen Vertreter anderer Schulen dankbar Tipps und Hinweise sowie Ratschläge auf. 

Wie sehen die nächsten Schritte ihres Netzwerks aus?

Wir müssen eine Nachjustierung vornehmen, da unser Netzwerk durch die Größe nicht optimal arbeitsfähig ist. Das liegt an der breiten Themenvielfalt, die sich hinter den Begriffen „Binnendifferenzierung“ und „Übergangsgestaltung“ verbirgt, an den nicht unbeträchtlichen Entfernungen zwischen den bisherigen Schulen sowie an der Anzahl und den unterschiedlichen Erwartungen der Schulen in diesem Netzwerk. Manche Teilnehmer unseres Netzwerkes haben sich etwas anders orientiert und so erhoffen wir gerade auch durch die Netzwerkmoderatoren neue Impulse, die das „networking“ erleichtern.

Können interessierte Schulen dem Netzwerk Binnendifferenzierung und Übergänge noch beitreten?

Ja, im Rahmen dieser Neuorientierung sollte es möglich sein, dass andere Schulen sich unserem Netzwerk anschließen.

Ansprechpartner des Netzwerks Binnendifferenzierung & Übergänge:
Björn Igelbrink (Graf-Adolf-Gymnasium Tecklenburg)

Das Interview führten Ulrike Thöne und Martin Schmitt

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