"Spannende, realistische und brauchbare Anregungen für den schulischen Alltag"

Interview mit Claudia Buchartowski und Margret Engels-Ende zur Arbeit des Netzwerks Lerncoaching im Regierungsbezirk Münster

Wie und wann kam ihre Schule darauf, sich mit dem Thema „Lerncoaching“ intensiver zu befassen?

Engels-Ende: An der Fritz-Winter-Gesamtschule in Ahlen erfolgte Beratung in vielen Bereichen schon immer ressourcenorientiert, so etwa in der Lernberatung, durch die Beratungslehrer oder im Trainingsraum, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Von daher war es für uns eine logische Folge, als wir zwei Kolleginnen als Netzwerkberaterinnen tätig wurden. Anschließend wurde bei einer Tagung in Soest der Kontakt mit zwei Fachleuten in Sachen Lerncoaching, Herrn Nicolaisen und Herrn Biesel, geknüpft, um das Lerncoaching auch in unserer Schule zu vertiefen und auszubauen. 

Welche Erwartungen hatten Sie und die beteiligten Kolleginnen und Kollegen an Ihrer Schule zur Netzwerkarbeit vor dem ersten Treffen?

Buchartowski: Wir waren neugierig auf den Austausch mit anderen Schulen und erhofften uns spannende und realistische sowie brauchbare Anregungen für unseren schulischen Alltag. Gleichzeitig wollten wir auch anderen Schulen von unseren Erfahrungen berichten.



Das erste Netzwerktreffen an der Fritz-Winter-Gesamtschule Ahlen

Sie haben in ihrem Netzwerk das Thema „Lerncoaching“ sehr intensiv und von verschiedenen Seiten her bearbeitet. Welche inhaltlichen Schwerpunkte wurden hierbei gesetzt?

Buchartowski: Wir haben uns auf die Strukturierung und Planung der Netzwerkarbeit konzentriert, aber auch der Austausch über die unterschiedlichen Anwendungsformen in den unterschiedlichen Schulsystemen spielte eine wichtige Rolle. Mehrmalig wurden Referenten zu Input-Vorträgen  eingeladen und es haben auch gegenseitige Schulbesuche stattgefunden. 

Welche Konzepte und Modelle sind bei den beteiligten Schulen auf besonderes Interesse gestoßen?

Engels-Ende: Die Fortbildung fast ausnahmslos aller Kolleginnen und Kollegen in zwei ganztägigen Veranstaltungen an der Fritz-Winter-Gesamtschule ist auf besonderes Interesse gestoßen, um das Lerncoaching und die Arbeit des Lernberatungsbüros auf "breite Füße" zu stellen. An einem der beteiligten Gymnasien wird das Lerncoaching nun auch als Instrument zur Verbesserung von Noten und Erreichen von Versetzung eingesetzt.  

Wie hat sich die Netzwerkarbeit auf ihre Schule oder, soweit Sie dies einschätzen können, auf andere beteiligte Schulen ausgewirkt?

Buchartowski: Mehrere Schulen haben mit der Einführung eines Lerncoachs für die Sekundarstufe II begonnen und sammeln hierbei nun eigene Erfahrungen.

Wie hat sich die Netzwerkarbeit auf den Unterricht oder das pädagogische Angebot an ihrer Schule oder, soweit Sie dies einschätzen können, an anderen beteiligten Schulen ausgewirkt?
 
Engels-Ende: Durch die flächendeckende Fortbildung der Kolleginnen und Kollegen hat bei diesen eine Reflexion der Lehrerrolle stattgefunden. Gleichzeitig ist die Beratung optimiert worden und Coachingmethoden wurden in den Unterricht integriert. Durch die Einrichtung einer AG "Lerncoaching" findet eine stetige Weiterentwicklung statt. Außerdem arbeiten wir an der Entwicklung eines neuen Leitbildes und haben eine SchiLF zur Lehrergesundheit durchgeführt.

Die gesamte Netzwerkarbeit zielt letztlich auf die individuelle Förderung von Kindern und Jugendlichen ab. Wovon profitieren die Schülerinnen und Schüler an Ihrer Schule besonders?

Buchartowski: Die angesprochene Reflexion der eigenen Rolle hat dazu geführt, dass die Schülerinnen und Schüler sich noch ernster genommen fühlen, da sie es noch mehr mit zuhörenden und wertschätzenden Lehrerinnen und Lehrern zu tun haben.
 
Was sind ihrer Erfahrung nach die Erfolgsbedingungen und Hürden erfolgreicher Kooperation in Netzwerken? Oder anders gefragt: Wann klappt Netzwerkarbeit, wann nicht?

Buchartowski: Man darf nicht zu ehrgeizig sein und muss stets realistisch planen, so dass die anstehenden Belastungen im laufenden Schuljahr berücksichtigt werden. Das Ganze muss als Gewinn und nicht als zusätzliche Belastung empfunden werden.


 
Claudia Buchartowski
 
Im Netzwerk haben Sie sich regelmäßig getroffen. Wie wichtig war der persönliche Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen anderer Schulen?

Engels-Ende: Es war und es ist uns wichtig, wir bekommen viele Anregungen und Ideen. Der Austausch von Best-Practice-Modellen ist äußerst gewinnbringend. 

Worin liegen ihren Erfahrungen nach die besonderen Vorteile und Stärken von Netzwerkarbeit?

Buchartowski: Gerade der Austausch über Machbares ist ein großer Vorteil. Man bekommt realistische, anwendungsbezogene Vorstellungen von dem, was geht. 

Wie sehen die nächsten Schritte des Netzwerks „Lerncoaching“ aus?

Engels-Ende: Das nächste Treffen am Gymnasium in Bocholt ist für den März 2016 geplant. Inhaltlich sind wir noch mitten in der Planungsphase. 

Können interessierte Schulen dem Netzwerk „Lerncoaching“ noch beitreten?

Buchartowski, Engels-Ende: Ja. Jederzeit gerne!

Ansprechpartnerinnen des Netzwerks Lerncoaching:
Margret Engels-Ende, Claudia Buchartowski (Fritz-Winter-Gesamtschule Ahlen), Kontaktmöglichkeiten: 02382-547050

Das Interview führten Ulrike Thöne und Martin Schmitt

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