Bericht zur Regionaltagung am 18.02.2016

Regionaltagung PlenumAm 18.02.2016 trafen sich rund 120 Vertreter(innen) aller Schulformen zur zweiten Regionaltagung des Netzwerks Zukunftsschulen im Regierungsbezirk Detmold. So kamen im großen Saal im Gebäude der Bezirksregierung Detmold Schulleiter(innen), Netzwerkkoordinator(inn)en, Netzwerkbegleiter(innen) und Interessierte zusammen, um in einen gewinnbringenden Austausch zur Thematik der individuellen Förderung zu treten.

Das Netzwerk Zukunftsschulen NRW bietet hierfür den institutionellen Rahmen, in welchem sich lokale Netzwerke von zumeist drei bis fünf Schulen - auch unterschiedlicher Schulformen - konstituieren, um gemeinsam an der Umsetzung ihres Themenbereichs der individuellen Förderung zu arbeiten.

Herr Dr. Diekmann, der zuständige Dezernent für das Netzwerk Zukunftsschulen im Regierungsbezirk Detmold, begrüßte herzlich alle Anwesenden und zeigte sichRegionaltagung Begrüßung angesichts des gut gefüllten Saals sehr erfreut über das rege Interesse zur Teilnahme an der Regionaltagung. Dies spiegelte auch die Entwicklung der Beitrittszahlen zu den Zukunftsschulen in den vergangen 12 Monaten, so Diekmann. Mittlerweile arbeiten im Regierungsbezirk Detmold 15 lokale Netzwerke mit über 50 teilnehmenden Schulen produktiv an der Umsetzung ihrer Themen und weitere Netzwerke haben sich bereits gefunden bzw. stehen kurz vor der Unterzeichnung ihres Kooperationsvertrages. Auch während der Regionaltagung bestand die Möglichkeit, beispielweise über ein Kontaktformular zur Netzwerksuche und eine Karte der räumlichen Verteilung aller im Bezirk angemeldeten Zukunftsschulen, aktiv nach möglichen Netzwerkpartnern zu suchen.

Drei Vorträge zu unterschiedlichen Aspekten der individuellen Förderung bildeten, thematisch gut aufeinander abgestimmt, den inhaltlichen Rahmen der Tagung.

Regionaltagung Fr. JessenDen Auftakt bildete Frau Wiebke Jessen, freiberufliche Referentin der SINUS:akademie, welche zu den Lebenswelten von Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren referierte. Den Kern bildete hierbei das SINUS-Lebensweltmodell u18 des bekannten Instituts für Markt- und Sozialforschung. Anhand der Dimensionen „Normative Grundorientierung“ und „Bildung“ werden hierbei die Jugendlichen sieben verschiedenen Gruppen bzw. Milieus zugeordnet. Unter anderem mittels Fotos der Jugendzimmer, Interviewsequenzen und Musikpräferenzen veranschaulichte Frau Jessen die Lebenswelten der Jugendlichen unterschiedlicher Milieus und legte deren Lebensauffassungen und Werthaltungen offen. Bezogen auf die pädagogisch-didaktische Arbeit wurde somit den Anwesenden sogleich offenkundig, dass es im Rahmen von Unterricht hier differenzierter Lernwege und -angebote bedarf.

Den zweiten Vortrag des Vormittags gestaltete Herr Prof. Dr. Julius Kuhl der Universität Osnabrück zum Thema „Individuelle Förderung: Selbstkompetenzen wachsen in Regionaltagung Hr. Prof. Dr. Kuhlgelungenen Beziehungen“. Herr Kuhl verwies darauf, dass Bildung Beziehung brauche, denn verschiedene Studien hätten gezeigt, dass Kinder, die in Leistungssituationen Beziehungssicherheit zeigten, bessere Selbstkompetenzen hätten und mehr von ihren Begabungen zeigten. Insbesondere unpersönliches soziales Vergleichen im Sinne eines Rankings erhöhe hingegen den Leistungsdruck, weil es die Person ignoriere und nicht auf individuelle Lernfortschritte abziele. Vielmehr sei das Selbst die Quelle von Erfahrung und Motivation. So schloss Kuhl mit dem Fazit, dass Beziehungsqualität die Voraussetzung dafür sei, dass gute Erfahrungen zu Selbstkompetenzen würden.

Regionaltagung Fr. Rasfeld mit SchülernNach der Mittagspause, die im Foyer der Bezirksregierung bei einem kleinen Imbiss weiteren Raum für den gedanklichen Austausch der Teilnehmer bot, gaben Frau Margret Rasfeld als Schulleiterin und zwei mitgereiste Schüler Einblick in die individualisierten Lernkonzepte an der Ev. Schule Berlin Zentrum. Frau Rasfeld stellte heraus, dass die Herausforderungen der modernen Welt zunehmend komplexe Lösungen erforderten, die sich nicht allein mit Wissen finden ließen. Vielmehr seien Verantwortung, Initiative, Veränderungsbereitschaft sowie Lern- und Gestaltungsmotivation von nachfolgenden Generationen gefordert. Dies erfordere das Brechen bisheriger Muster, das Denken neuer Lösungen und das Einnehmen neuer Haltungen. Was dies für Schule bedeutet, veranschaulichten die Schüler(innen) Regionaltagung Fr. RasfeldAnton und Karolina, indem sie von ihrem für uns ungewöhnlichen Schulalltag an der Berliner Gemeinschaftsschule berichteten. Die Arbeit im Lernbüro in individuellem Tempo an selbstgewählten Themen und das Lernen in großen Projekten bieten hier Formate mit großen Freiheitsgraden. In einem „Projekt Verantwortung“ übernimmt jeder Schüler für zwei Jahre eine verantwortungsvolle Aufgabe im Gemeinwesen, wie z.B. im Kindergarten oder bei der Unterrichtung von Flüchtlingskindern in internationalen Grundschulklassen. In den Jahrgangsstufen 8-10 suchen sich die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen, die von je einem Erwachsenen begleitet werden, eine besondere persönliche Herausforderung die sie mit sehr begrenztem Budget innerhalb von drei Wochen bewältigen möchten. So berichteten die anwesenden Schüler(innen) von ihren Erfahrungen beim selbstorganisierten Wandern auf dem South West Coast Path in Cornwall bzw. einer Radtour an die polnische Ostseeküste. Lernziele der Herausforderung seien insbesondere der Umgang mit Unsicherheit, Unternehmergeist, Risikobereitschaft und das Erkennen von Scheitern als Innovationschance, so Frau Rasfeld. Beeindruckt von dieser innovativen Umsetzung der Ideen der individuellen Förderung, nahmen im Anschluss an den Vortrag noch viele Teilnehmer die gebotene Gesprächsmöglichkeit mit Frau Rasfeld wahr, um sich genauer über die Herausforderungen bei der Umsetzung dieser pädagogischen Konzepte zu informieren.

© 2018 Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen