Bericht des Netzwerktreffens Begabungsförderung vom 23.4.2015

Am 23. April 2015 versammelten sich ca. 15 Lehrerinnen und Lehrer, die im Teilnetzwerk Begabungsförderung ihre Kenntnisse und Erfahrungen austauschen wollen, zum Themenschwerpunkt „Grundlagen für die pädagogische Praxis“ im Annette-Gymnasium Münster. Carolin Giesecke (Annette-Gymnasium Münster) und Nicole Essing (Ludgerus-Grundschule Hiltrup) moderierten das Treffen.

Nach einer kurzen Begrüßung und Vorstellung verständigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf ihre Interessen und Bedürfnisse bei der Auseinandersetzung mit verschiedenen Begabungsmodellen. In diesem Zusammenhang wurde die Kernidee des Netzwerks noch einmal unterstrichen, und zwar die Unterstützung und Förderung des Austauschs von Konzepten und Erfahrungen zwischen den Schulen.

In einem einleitenden Vortrag fassten Frau Giesecke und Frau Essing zentrale Elemente und theoretische Grundlagen eines pädagogischen Begabungsbegriffs zusammen und rekurrierten hierbei auf die einschlägigen psychologischen Definitionen und Ansätze von z. B. Howard Gardner („Abschied vom IQ“), Franz-Josef Mönks („triadisches Interdependenzmodell“) oder das „Münchner Begabungsmodell“ nach Kurt Heller (u. a.). In der Diskussion wurde insbesondere das „Münchner Modell“ als hilfreiches Instrument für z. B. Beratungsgespräche sowie die Klärung von unterschiedlichen Bereichen, Feldern und Aspekten von Begabung hervorgehoben.

Im weiteren Verlauf des Treffens wurden zahlreiche weitere Aspekte der Begabungsförderung in der pädagogischen Praxis thematisiert und diskutiert, wie z. B. die Möglichkeiten und Grenzen der Diagnostik von Hochbegabung in der Schule, der Umgang mit Hochleistern und Underachievern oder Probleme einer kontinuierlichen Begabungsförderung im Übergang von der Grund- zur Sekundarschule. Unter dem Gesichtspunkt inklusiver Bildungskontexte stieß die Theorie der „positiven Disintegration“ nach Kazimierz Dąbrowski auf besonderes Interesse: Ausgehend von der Annahme, dass Begabung und Hochbegabung als spezifische Formen von kognitiver und emotionaler „Übererregbarkeit“ („overexcitabilities“) verstanden werden könnten, würden sich neue Perspektiven gerade auf die Verbindung von Verhaltens- und Lernschwierigkeiten einerseits und besonderen Begabungsprofilen andererseits ergeben.

Aus den anregenden und produktiven Diskussionen ergaben sich zahlreiche inhaltliche Anknüpfungspunkte für weitere Treffen. Maria Bellonch, Lehrerin an der Fritz-Winter-Gesamtschule Ahlen, fasste das Ergebnis des Tags zusammen: „Die Zukunft der Schulen liegt in der Kooperation miteinander und darin, dass dadurch ein Lernprozess in Gang kommt.“

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