Workshop 4: "Weil Noten nicht alles sind…“

Referenten: Iris Großgasteiger & Dr. Dietrich Arnold

Inhalt:

Schulnoten hängen nur zum Teil von der Intelligenz ab und Hochbegabte sind nicht immer an guten Zensuren zu erkennen. Wenn der Umsetzungsprozess von Begabung in Leistung gestört ist, wird dies mit dem Fachterminus „Underachievement“ bezeichnet. Als grundlegende Definition von Underachievement wird eine bedeutsame Diskrepanz zwischen Begabung und schulischer Leistung bzw. zwischen gemessener Intelligenz und schulischen Noten herangezogen, die über einen längeren Zeitraum, das heißt, mindestens sechs Monate, besteht (Butler-Por, 1993)

Underachievement ist ein komplexes Problem, das über einen längeren Zeitraum entsteht, für das betroffene Kind mit einem Leidensdruck einhergeht und für das es sehr verschiedene Ursachen geben kann.

Die Auslöser sind umfangreich und lassen sich drei Gruppen zuordnen: Aspekte, die das Kind selber, seine Familie oder die Schule betreffen. Wenn von Underachievement im eigentlichen Sinne gesprochen wird, werden damit gravierende Probleme (und nicht eine vorübergehende Motivationslosigkeit), deren Behebung häufig professionelle Unterstützung erfordert.

Die Referenten stellen ihre Erfahrungen in der Beratungsarbeit vor: Ein sinnvoller Ansatzpunkt ist die Verbesserung der Beziehungsebene zu den Jugendlichen selbst, die im Fall von Underachievement belastet oder gestört sein kann. Eltern und Lehrer sind neben Peers die wichtigsten Bezugspersonen.

Zur Beziehungsverbesserung kann auf Inhalte des Elterntrainings "KLIKK® - Kommunikations- und Lösungsstrategien für die Interaktion mit klugen Kindern" zurückgegriffen werden. KLIKK® wurde von den Begabungsforschern Prof. Dr. Franzis Preckel und Dr. Dietrich Arnold unter Mitarbeit von Iris Großgasteiger entwickelt. Es richtet sich an Eltern hochbegabter Kinder im Vorschul- und Grundschulalter und zielt darauf ab, diesen Möglichkeiten einer konstruktiven Konfliktbewältigung, der Förderung der Per­sönlich­keitsentwicklung und Motivation ihres Kindes an die Hand zu geben und versteht sich als ein präventives Angebot.
Der KLIKK®-Ansatz, Kommunikation, die wertschätzend, eindeutig und ressourcenorientiert ist, besteht aus einem Zusammenspiel der beiden nachfolgenden Aspekte:

  • Wertschätzende Kommunikation: Hierbei geht es darum, wie man die Beziehung zwischen Eltern und Kindern stärken und die Selbst- und Sozialkompetenz bei den Kindern fördern kann. > Aktives Zuhören / Ich-Botschaften
  • Lösungs- / Ressourcenorientierung: Jeder Mensch bringt eine Vielzahl an Ressourcen mit. Wie man diese im Umgang mit Problemen im Familienalltag nutzen kann, wird im Seminar vermittelt und praktisch eingeübt. > Würdigung von Kompetenzen > Stärken herausarbeiten > Ausnahmen entdecken
  • Motivation: Motivation entsteht nicht „im luftleeren Raum“, sondern auf der Basis von Beziehungs­er­fahrungen. Menschen entwickeln aus sich heraus Motivation, wenn sie sich sozial ein­gebunden, kompetent und autonom erleben. (Deci & Ryan, 1993) Im Seminar werden Ansatzpunkte erarbeitet, wie die kindliche Motivation unterstützt werden kann. Im Work­shop (wie auch in den Elterntrainings) wurde dies beispielhaft in einer ressourcen­orien­tierten Gesprächssequenz demonstriert. Fallbeispiele zur Umsetzung der drei Eckpunkte der Selbstbestimmungstheorie rundeten den Workshop ab.

Infos zum Elternseminar

KLIKK® findet in einer Gruppe von max. 12 Teilnehmenden jeweils am Wochenende von Freitagabend bis Sonntagnachmittag statt (Freitag: 17 - 21 Uhr, Samstag: 9 - 16 Uhr, Sonntag: 9- 15 Uhr). Weitere Informationen finden sich auf der Homepage unter der Adresse: www.klikk-elterntraining.de. Interessierte können sich zudem einen praktischen Überblick anhand des Elternhandbuchs „Hochbegabte Kinder klug begleiten“ verschaffen, das Arnold und Preckel 2011 im Beltz-Verlag veröffentlichten.

Literatur:

Arnold, D. & Preckel, F. (2011). Hochbegabte Kinder klug begleiten. Beltz: Wein­heim
Butler-Por, N. (1993). Underachieving gifted students. In K. A. Heller, F. J. Moenks & A. H. Passow (Hrsg.), International Handbook of Research and Development of Giftedness and Talent (S. 649–668). Oxford: Pergamon.
Deci, E. L., Ryan, R. M. (1993). Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation und ihre Bedeutung für die Pädagogik. Zeitschrift für Pädagogik, 39 (2), 223–238.

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