Workshop 3: Förderung von Underachievern, Lust auf Schule - Motivation und Selbststeuerung

Referentin: Frau Dr. Gudrun Schulz-Wensky 

Inhalt:  

Im thematischen Zentrum des Vortrags stand die Frage, wie es gelingen könne, hochbegabte Underachiever aus ihrer wiederkehrenden Erfahrung, nur Misserfolge zu erbringen, herauszuholen und in die Lage zu versetzen, Leistungen zu erreichen, die der persönlichen Begabung entsprechen.

Als Grundlage zur Beantwortung dieser Frage nutzte die Referentin die Theorie des Entwicklungsorientierten Selbstmanagements (EOS) nach Professor Kuhl. Wesentliches Merkmal dieser Theorie ist die Annahme, dass bei jedem Menschen vier grundsätzlich verschiedene „Motive“ der Selbststeuerung wirksam sind, die individuell jedoch unterschiedlich stark ausgeprägt und wirkmächtig sind: das Lern- und Leistungsmotiv (zentrale Gefühle: Neugier, Interesse, Spaß und Begeisterung für eine Aufgabe), das Beziehungsmotiv (zentrale Gefühle: Nähe, Wärme, Sicherheit, Liebe), das Machtmotiv (zentrale Gefühle: Stärke, Überlegenheit) und das Sicherungsmotiv (zentrale Gefühle: Sicherheit, Beständigkeit, innere Balance und Ausgeglichenheit).

Im Blick auf das Ziel, schulische Erfolge von Underachievern zu begünstigen, ergibt sich, verkürzt wiedergegeben, die Notwendigkeit, die Selbststeuerungskompetenz des (minderleistenden) Lernenden so zu beeinflussen, dass in dessen schulischem Handeln aus der zumeist starken Tendenz zur Anstrengungsvermeidung (z.B. begründet in besonderer emotionaler Belastung im außerschulischen Bereich) eine Tendenz zur zielorientierten Anstrengungsbereitschaft werden kann. Die immer wieder ablaufende Schrittfolge aus Bildung von Handlungszielen,  Handlungsplanung, Handlungsausführung und abschließender Handlungsbewertung gilt es, im Schulzusammenhang möglichst so zu gestalten, dass der Lernende – und das ist entscheidend - die unterrichtlichen Handlungsziele persönlich für sinnvoll halten und Freude bei der Vorstellung empfinden kann, diese anzusteuern, da nur dann die Chance besteht, dass er den nächsten Schritt, die konkrete Planung der Handlung, tatsächlich angeht und sein Handeln zielorientiert – und das heißt auch: mit der nötigen Gefühlsregulationplant.

Da für den schulischen Erfolg die gelingende Selbststeuerung des Lernenden von erheblicher Bedeutung ist, kommt es, so die Referentin, bei der Unterrichtsgestaltung in einer Lerngruppe darauf an, dass der Lehrende alle vier „Motive“ (Leistung, Beziehung, Macht, Sicherheit) kennt und berücksichtigtund dabei beachtet, dass ein vernachlässigtes Motiv dennoch wirksam bleibt, und zwar oft in Form von „Störungen“, da Nichtbeachtung eines Motivs zugleich die Nichtbeachtung eines wesentlichen Bedürfnisses ist.

Der Schlüssel zum begabungs- und motivationsfördernden Unterricht für alle liegt also darin, jedem einzelnen Lernenden seinen persönlichen Zugang zum Lerngegenstandzu ermöglichen,
und zwar nicht nur zu Beginn eines neuen Vorhabens, sondern durchgängig bis hin zur Dokumentation und Auswertung des eigenen Lernerfolgs. Nur dann wird die wichtige Erkenntnis umgesetzt, dass eben nicht nur die Begabungsfaktoren die Schulleistung bestimmen, - wäre es so, gäbe es keine Underachiever -, sondern ebenso oder noch stärker Umweltmerkmale und nicht-kognitive Persönlichkeitsmerkmale. (Vgl. hierzu auch das Münchner Begabungsmodell).

Workshop Diskussionsthemen / wichtige Fragen / Ergebnisse:

Im Mittelpunkt der abwechslungsreichen Plenums- und Gruppenarbeit stand die Frage, wie die Lehrenden die Erkenntnisse aus dem Vortrag über die entscheidende Bedeutung der Selbststeuerungskompetenz in gute Unterrichtsgestaltung umsetzen können. In der Fülle an Erfahrungsberichten, Vorschlägen und Anregungen wurden einige Erfordernisse besonders stark betont:

  • das facettenreiche Bemühen darum, dass die Lernenden mit dem Stoff ‚persönlich etwas anfangen können’;
  • die Bereitschaft, das eigene unterrichtliche Handeln kritisch zu reflektieren;
  • die Flexibilität, Neues auszuprobieren;
  • der Mut, sich der Teamarbeit zu öffnen;
  • die Zuversicht, dass sich Erfolge ebenso wie Misserfolge als Quellen eigenen Lernens nutzen lassen.

E-Mail: g.schulz.wensky@netcologne.de

© 2018 Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen