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Orientierungsbereich (Sprungmarken)

Phasen einer „Schwänzerkarriere“

Der oft jahrelange Prozess von den ersten Fehlzeiten bis zum notorischen Schwänzen wird als ein Prozess zwischen den Faktoren Familie, Schule und Persönlichkeit verstanden. Die Interaktion dieser Faktoren gestaltet sich in den verschiedenen Phasen einer „Schwänzerkarriere“ unterschiedlich.

Ein üblicher Prozessverlauf des Absentismus (Abwesenheit) in der Schule kann wie folgt aussehen:

Phase 0: Keine Fehlzeiten.

Phase 1: Erste Fehlzeiten

  • Leistungsrückstände, innerer Rückzug im Unterricht
  • Angst vor Leistungsüberprüfungen bzw. Bloßstellungen durch Lehrkräfte
  • Angst vor Mitschülern (physische oder psychische Gewalt, Mobbing)
  • Unangenehme Reaktionen auf und während der Fehlzeiten

Phase 2: Fehlzeiten werden ausgedehnt

  • Verschlechterung des Lehrer-Schüler-Verhältnisses
  • Rückzug von den Mitschülern und –schülerinnen
  • Unangenehme Reaktionen auf und während der Fehlzeiten
  • Rückkehr und Testen der sozialen Beziehungen (Lehrkraft, Mitschüler)

Phase 3: Chronifizierung

  • Resignation, völliger Rückzug
  • Suche nach alternativen Beschäftigungen während der Fehlzeiten (evtl. Delinquenz)
  • Freundeskreis vorwiegend von Gleichgesinnten
  • Angenehme Reaktionen auf und während der Fehlzeiten verbunden mit einem Wertewandel

Erfolgreiche Interventionen zeichnen sich durch einige Charakteristika aus. Sie zeigen, wo und wie pädagogische Maßnahmen präventiv ansetzen können:

  • In der ersten Phase spielen konkrete Vermeidungen bestimmter schulischer Situationen eine besondere Rolle. Die Schülerinnen und Schüler suchen noch den Anschluss an Lehrkräfte und Mitschüler und fühlen sich in den Zeiten ihrer Abwesenheit nicht wohl.
  • In der zweiten Phase findet ein erster Rückzug von den sozialen Beziehungen in der Schule statt, dennoch besteht eine gewisse Offenheit für den Wiederanschluss. Die Fehlzeiten werden noch nicht als angenehm erlebt.
  • In der dritten Phase findet hingegen eine Neuorientierung statt. Die Schule wird „abgeschrieben“. Soziale Beziehungen werden vorwiegend außerhalb der Schule gesucht und die Bewertung der Fehlzeiten erfährt einen Wertewandel. Delinquenz und gleich gesinnte Freunde spielen eine immer größere Rolle.

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