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Orientierungsbereich (Sprungmarken)

Konzepte gegen Schulschwänzen

Untersuchungen zu den "Schwänzertypen" und zum phasenhaften Verlauf des Schwänzens zeigen, dass eine differenzierte Kombination pädagogischer Maßnahmen erforderlich ist. Formen der Kontrolle sind dabei eine notwendige Voraussetzung, führen allein aber nicht zum gewünschten Erfolg, weil sie das Problem der Reintegration in die soziale Gemeinschaft und die Frage der versäumten Lerninhalte nicht lösen.

Ein Beispiel für integrierendes Vorgehen ist ein Projekt, das in West-Sussex mit Erfolg durchgeführt wird. Es verfolgt zwei Ziele:

  1. Sensibilisierung der Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler für die Anwesenheit:
    Die auftretenden Fehlstunden werden für jeden Schüler dokumentiert. Dabei wird bewusst nicht unterschieden zwischen entschuldigtem und unentschuldigtem Fehlen, weil davon ausgegangen wird, dass auch nach einer längeren Krankheit die Lehrkraft mit den Schülern und Schülerinnen ein Gespräch führen sollte über die Möglichkeiten, den versäumten Stoff nachzuholen. Außerdem wird auf diese Weise vermieden, dass die Lehrkraft entscheiden muss, ob eine Entschuldigung glaubhaft ist oder nicht.
  2. Schnelle Reaktion auf Fehlzeiten durch eine abgestufte Folge von Lehrer-Schüler-Gesprächen und weiteren Maßnahmen
    Das Auswerten der Fehlzeiten macht Lehrkräfte darauf aufmerksam, dass bei einem bestimmten Schüler Maßnahmen ergriffen werden müssen. Zunächst wird versucht, das Problem niederschwellig auf der Ebene Klassenlehrer – Schüler zu lösen. Vor allem um die Lehrer-Schüler-Beziehung zu stärken, sollen diese Gespräche lösungsorientiert verlaufen, Lehrkräfte diagnostizieren in dieser Phase nicht, sie beschäftigen sich nicht mit Ursachen und Entschuldigungen, sondern treffen strikt auf die Zukunft orientiert Zielvereinbarungen über das Nachholen der versäumten Lerninhalte und die zukünftige Anwesenheit. Erst wenn diese Zielvereinbarungsgespräche nicht zum gewünschten Erfolg führen, erfolgt die schriftliche Benachrichtigung der Eltern und es tritt eine Helferkonferenz an der Schule zusammen, die sich mit Ursachen und Lösungen für den Einzelfall beschäftigt und die Experten von Jugendhilfe und Polizei einbezieht.

Die Schülerinnen und Schüler werden bei dieser Vorgehensweise systematisch einbezogen. Sie werden regelmäßig über die eigene Fehlstatistik und die ihrer Klasse informiert. In den Klassen wird außerdem darüber diskutiert, wie sich die Schülerinnen und Schüler gegenseitig beim Nachholen des versäumten Stoffes und bei der Reintegration in die Gemeinschaft nach Fehlzeiten unterstützen können.

Diese Art des Vorgehens bietet eine Reihe von Vorteilen. Durch den „Risikomarker Schulschwänzen“ wird man schneller auf Problemfälle aufmerksam und kann zu einem früheren Zeitpunkt schulische und außerschulische Maßnahmen gemeinsam mit den örtlichen Behörden einleiten.

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