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Orientierungsbereich (Sprungmarken)

Präventive schulische Strukturen im Umgang mit Fehlzeiten

Konkrete pädagogische Maßnahmen

Jede Schule sollte eine Regelung zum Umgang mit Fehlzeiten und Entschuldigungsfristen treffen und gleichzeitig schulische Strukturen schaffen, die mit diesen Eintragungen zeitnah umgehen (z. B. Fehlzeiten vermerken, zeitnah besprechen, weiterleiten, Maßnahmen ergreifen).

Dokumentation

Um die Gesamtsituation im Blick zu behalten, ist es erforderlich, das Geschehen, die Abläufe und die Inhalte der Gespräche in kurzen Notizen festzuhalten. Die Dokumentation ermöglicht Rückgriffe auf belegbare Ereignisse und bietet hilfreiche Anknüpfungspunkte.

Ein Lehrerwechsel kann eine Chance zu einem Neuanfang sein: Setzt sich das Schulschwänzen aber in gleicher Weise fort, so kann eine Dokumentation der nachfolgenden Lehrkraft wichtige Hinweise über die vergangenen Vorkommnisse geben. Auch für einen Schulwechsel kann die Dokumentation dem neuen Klassenlehrer hilfreich sein. 

Gespräch mit dem Schüler, der Schülerin

An erster Stelle steht immer das Gespräch mit dem Schüler, gilt es doch die Hintergründe des Fernbleibens und ihre Ursachen im schulischen oder außerschulischen Bereich zu erkennen, um entsprechende Hilfsangebote bzw. (Ordnungs)maßnahmen vorzubereiten.

Ein solches Gespräch kann der Klassenlehrer oder eine andere Person führen, zu denen ein Vertrauensverhältnis von Seiten des Schülers besteht. Bewährt haben sich schulische Beratungsgespräche. Bei einem solchen Gespräch sind Einfühlsamkeit und zugleich Klarheit gefragt. Die Lehrkraft muss an dieser Stelle deutlich machen, dass sie für die Überprüfung der schulischen Anwesenheit zuständig ist. Da manche Schüler Schwierigkeiten haben die Ursachen selbst zu erkennen oder zu benennen bzw. überhaupt darüber zu sprechen, ist ein wertschätzendes Nachfragen notwendig. Solche Gespräche benötigen Zeit, denn hier werden auch die Lösungsmöglichkeiten und Hilfsansätze konkretisiert.
Schülerinnen und Schüler öffnen sich eher, wenn sie spüren, dass ihr Gesprächspartner an ihnen interessiert ist, sich ihrer Situation annimmt und mit ihnen über nachhaltige Hilfe nachdenkt und diese organisiert.
Strukturierende Fragen helfen: was (Vereinbarung, Zusatzaufgabe), wer (Schüler, Lehrer, Eltern), wann (genaue Terminabsprache) und wie (tägliche Rückmeldung an die Eltern, Gespräche am Ende jeder Woche) dazu beitragen kann, ein weiteres Schulschwänzen zu verhindern.
Kleinschrittige und zeitlich engmaschige Vereinbarungen sind vorzuziehen. Sie sind leichter umzusetzen und versprechen eher den gewünschten Erfolg ohne den Schüler zu überfordern. Um Schulversäumnisse der Kinder im Sinne einer gemeinsamen Erziehungsverantwortung von Schule und Elternhaus zu klären, können Eltern gegebenenfalls den behandelnden Arzt oder Therapeuten von der Schweigepflicht entbinden. Besteht ein berechtigter Verdacht des Missbrauchs im Zusammenhang mit ärztlichen Entschuldigungsschreiben, ist ein Amtsarzt einzuschalten. 
Bewährt hat sich die Vereinbarung schriftlich festzuhalten.

Ein solches Gespräch berücksichtigt folgende Aspekte:

  • Grund oder die Gründe für das Fernbleiben vom Unterricht, 
  • Versuchen, über die Gefühle sowohl beim Schwänzen als auch beim Auffallen zu sprechen,
  • Hintergründe des Schwänzens besprechen bzw. diese herausarbeiten,
  • Welche Bedürfnisse oder Ereignisse führten zum Schule schwänzen?
  • Aufzeigen von möglichen Konsequenzen, die das Verhalten sowohl auf der Erziehungs- und Ordnungsebene wie auch für ihre persönliche schulische und berufliche Zukunft nach sich zieht,
  • klare Absprachen und Vereinbarungen treffen, um ein weiteres Schulschwänzen zu verhindern,
  • zur Überprüfung der getroffenen Maßnahmen durch alle Beteiligten schon während des ersten Gespräches ein weiteres Treffen vereinbaren, 
  • Lob und Ermutigung zeigen den gefährdeten Kindern und Jugendlichen, dass ein ehrliches Interesse an ihnen besteht, Mut, Erfolgsverstärkung und kleine Fortschritte werden gewürdigt.
  • neben „offiziellen“ Stellen (wie Schule, Jugendpflege, Schulaufsicht) kann auch eine Beteiligung anderer Personen, die ein besonderes Vertrauensverhältnis zum Schüler haben,  sinnvoll sein,
  • Beteiligung von Eltern und Erziehungsberechtigten von  Anfang an (kurze Dokumentation der Elternkontakte),
  • Informationen über die Interessen und Umgang ihrer Kinder,
  • Erkennen der Zusammenhänge von Schulschwänzen und möglicher Delinquenz.

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