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Orientierungsbereich (Sprungmarken)

Außerschulische Förderung bei Schulverweigerern

Die durch Probleme belasteten biografischen Entwicklungen, die Kinder und Jugendliche bis zum Misslingen ihrer Schullaufbahn durchlaufen haben, erfordern eine Aufarbeitung handlungsorientierter und kognitiver Kompetenzen.

Weil „Schulschwänzer“ den Unterricht nicht regelmäßig besuchen, weisen sie große Lücken im Lernstoff auf. Darüber hinaus fehlen schulfernen Schülerinnen und Schülern durch die jahrelange Misserfolgsorientierung in ihrer Lernbiografie häufig tragfähige soziale Lernerfahrungen. Sie äußern sich in Verhaltensauffälligkeiten bis hin zu antisozialem Verhalten (z. B. hohe Gewaltbereitschaft, Delinquenz, Suchtmittelmissbrauch). Schule wird als „Ort des bisherigen Versagens“ wahrgenommen.

Durch eine außerschulische Beschulung kann schulfernen Kindern und Jugendlichen über den räumlichen Abstand zur Schule ein neuer Zugang zum Lernen ermöglicht werden. Eine solche Förderung ist gekennzeichnet durch eine Kombination von sozialpädagogischer Betreuung und Förderung neben schulischem und berufsorientiertem Lernen (Werkstattarbeit).

Durch intensive Betreuung mit dem Ziel, stabile Beziehungen zu ermöglichen, erfolgt eine Verbindung von arbeits- und sozialpädagogischen Elementen mit konventionellen Methoden der Stoffvermittlung. Theorie und Praxis, Lernen und Arbeiten, aber auch erlebnispädagogische und Freizeitaktivitäten bilden eine Einheit. Die Anteile der einzelnen Elemente können sehr unterschiedlich gewichtet sein und hängen von den jeweiligen Rahmenbedingungen, der Zielgruppe und den Angeboten ab.

Die Kooperation von Schule und Jugendhilfe gewinnt zunehmend an Bedeutung bei der Betreuung von schulfernen Kindern und Jugendlichen.

Die Erfahrung mit außerschulischer Beschulung hat auch hemmende Faktoren deutlich werden lassen, die sowohl den Zugang in die außerschulische Beschulung als auch den weiteren anschließenden Verbleib der betreuten Mädchen und Jungen betreffen:

  • Der Zugang zu den Projekten erfolgt häufig zu spät, sowohl in Bezug auf Alter und Klassenstufe als auch auf die Problemlagen der Schüler und Schülerinnen. Für viele Jugendliche ist der Erwerb eines Abschlusses manchmal kaum mehr realisierbar.
  • Innerhalb der Berufsorientierung hat sich gezeigt, dass  realistischer auf die Berufswünsche der Jugendlichen eingegangen werden muss zur langfristigeren Sicherung des Erfolgs solcher Maßnahmen. Insbesondere im Dienstleistungssektor könnten sich noch mehr Berufsbilder abzeichnen, die Jugendlichen mit schlechteren kognitiven Startchancen den Einstieg in die Erwerbstätigkeit ermöglichen.
  • Fachkräfte berichten, dass Eltern schulferner Kinder und Jugendlicher oftmals hilflos sind und dadurch zum Teil selbst zum Hemmnis für die Unterstützungsbemühungen werden. Sie verstehen die Ziele von Maßnahmen häufig nicht. Elternarbeit ist daher hier besonders wichtig.
  • Schließlich erfordert die außerschulische Förderung schulferner Jugendlicher eine entsprechende finanzielle Ausstattung der Projekte und eine Planbarkeit durch langfristige Laufzeiten.

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