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Orientierungsbereich (Sprungmarken)

Zusammenarbeit der Schulen beim Übergang von der Grundschule in weiterführende Schulen

Übergänge rufen im Kontext von Schule nicht selten negative Assoziationen hervor und werden vielfach als Bedrohung und Bruch wahrgenommen. Als besonders kritischer Punkt gilt hier der Übergang von der Grundschule in die weiterführenden Schulen, da zu diesem Zeitpunkt nicht nur über die zukünftige Schullaufbahn des Kindes, sondern in letzter Konsequenz im Bewusstsein von Eltern auch über allgemeinen Lebenschancen entschieden wird. Deshalb ist es wichtig, dass die abgebenden wie die aufnehmenden Schulen den Übergang gemeinsam bruchlos gestalten.

Aus der Perspektive der Kinder ist der Übergang in eine weiterführende Schule eine erste größere Verunsicherung. Für die Kinder verändern sich nach vier Jahren in der Grundschule die gewohnten Handlungsroutinen und Reaktionsmuster und sie müssen sich in eine neue, bislang fremde Umgebung einpassen. Auch unter Leistungsgesichtspunkten ist der Übergang oft mit Belastungen verbunden. Der Notendurchschnitt in der fünften Klasse verschlechtert sich im Vergleich zum Vorjahr in der Regel erst einmal um durchschnittlich etwa eine halbe Note. Vor diesem Hintergrund ist es nur zu verständlich, dass viele Kinder den Übergang mit gemischten Gefühlen betrachten und diese manchmal sogar mit Ängsten verbunden ist.

Aus schulpädagogischer Sicht wird deswegen die Forderung nach Kontinuität beim Übergang erhoben. Ein „sanfter Übergang“ könnte erreicht werden durch frühzeitiges Kennenlernen der weiterführenden Schule (z. B. durch Hospitationen und Schulbesuche), Kooperationen mehrerer Schulen u. a. mehr. Für eine bruchlose Gestaltung des Überganges bekommen individuelle Förderpläne, die für jeden Schüler von der Grundschule bis zum Ende der Sekundarstufe l geführt werden, eine besondere Bedeutung. Die Förderplanung geht von den vorhandenen Fähigkeiten und den Entwicklungsbedürfnissen der Schülerinnen und Schüler aus und formuliert Ziele und Maßnahmen für einen anstehenden Lernbedarf. Sie berücksichtigt sowohl den Aufbau eines alters- und situationsangemessenen Verhaltens und die Motivation von Kindern als auch die Entwicklung kognitiver und sprachlich-kommunikativer, motorischer und sozialer Kompetenzen.

Die Unterschiedlichkeit zwischen den Schulformen zeigt sich am deutlichsten in der verschiedenartigen Unterrichtsorganisation von Primär- und Sekundarstufe. Grundschullehrerinnen legen in der Regel in ihrem Unterricht eher Wert auf die Vermittlung von sozialen Fähigkeiten und Kompetenzen und haben den individuellen Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler im Blick. Im Vordergrund des Unterrichts in den Sekundarschulen steht demgegenüber sehr viel stärker die Vermittlung von Wissen orientiert am Lehrplan neben der individuellen Entwicklung des Kindes.

Das Gelingen eines bruchlosen Überganges von der Grundschule zur weiterführenden Schule hängt im Wesentlichen von der Bereitschaft aller Beteiligten zur Zusammenarbeit ab. Standards einer schulformübergreifenden gemeinsamen Förderplanung werden gemeinsam festgelegt und sind Orientierung für die weiter führende Schule des Kindes. Der eher fachdidaktisch orientierte Blick der Sekundarstufe kann sich an dieser Stelle sinnvoll mit dem stärker kindzentrierten Förderverständnis der Grundschule verbinden. Wichtig ist ein an der bisherigen Entwicklung des Schülers, der Schülerin orientiertes Förderverständnis, das an die pädagogische und unterrichtliche Arbeit der Grundschule anknüpft.

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