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Individuelle Förderkultur in Lerngruppen

Für besonders Begabte ist es wichtig, damit sie ihre Leistungsfähigkeit realisieren und in unserer Gesellschaft als Leistungsträger wahrgenommen werden können, dass sie in ihrer Entwicklung neben intellektuellen Fähigkeiten ein breites Fähigkeitspotenzial in Bereichen des Selbstbewusstseins, der sozialen Kompetenz, der Teamarbeit, der Selbst- und Fremdwahrnehmung u.a. ausprägen können. Auch dazu brauchen begabte Schüler/Innen Förderung und Herausforderung.

Besonders Begabte und Leistungsfähige brauchen und haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten und können sich in andere Menschen hineinversetzen, sie gehen mit anderen Menschen verantwortungsbewusst und flexibel um, sie wissen um ihre eigene Identität, sie kennen ihre Bedürfnisse, es gelingt ihnen, sich Gehör zu verschaffen und die notwendigen Veränderungen dazu in ihrer Umgebung vorzunehmen. Insbesondere sind sie fähig, verbale und nonverbale Botschaften anderer Menschen aufzunehmen und adäquat zu verarbeiten. Sie haben ein Gespür dafür, dass sich Menschen gegenseitig beeinflussen, und kennen den Tatbestand, dass das eigene Handeln Auswirkungen für andere hat. Begabte und leistungsfähige Menschen handeln in der Regel sehr verantwortungsbewusst.

Die Förderung besonders begabter Schüler/Innen sollte daher gekennzeichnet sein von dieser Breite im kognitiven, sozialen und individuellen Wahrnehmungsbereich. Von besonderer Bedeutung sind die nachfolgend aufgeführten Lern-/Trainingsfelder:

Einhaltung von Regeln (= Akzeptieren von Grenzen)

Einige besonders begabte Schüler/Innen haben Schwierigkeiten sich an Regeln zu halten. Damit die Schüler/Innen in unseren Schulen, Gruppen (Gesellschaft) zurechtkommen, müssen sie gezielt und individuell gefördert werden. Dabei geht es nicht darum „Ja-Sager" zu erziehen, sondern „Rebellion als Selbstzweck" zu durchschauen und die eigene Bedürfnislage relativieren zu lernen. Z.B. können:

  • besonders Begabte in gezieltem Training selbständig Regeln entwickeln und diese in „echtem Forschergeist" auf ihre Effizienz hin reflektieren und untersuchen (= Verständnis für Regeleinhaltung),
  • besonders Begabte auf die Einhaltung des Regelkatalogs selbst achten und in einer Abschlussreflexion ihre Beobachtungen bewerten (= Beobachtungsfähigkeit – Folgen – Bewerten),
  • "Sanktionen" für die Nicht-Einhaltung von Regeln mit anderen festlegen (= sinnvolle/ unsinnige Regeln, Folgen abwägen).

Selbstbewusstsein (= Vorangehen und Mitgehen können/ Eigenständigkeit und Anderssein bewältigen)

Bei besonders Begabten kann in bestimmten Entwicklungsverläufen die soziale Kompetenz beeinträchtigt, d.h. insbesondere das Selbstbewusstsein gehemmt sein. Die Begabten erleben sich in der Schule oft als Ausnahme, wenn sie ihre Fähigkeiten zeigen, und benötigen durch ihr „Anderssein" ein hohes Maß an Selbstbewusstsein. Dies führt manchmal zu Verschlossenheit und Einzelgängertum. Dieses Gefühl kann durch den Kontakt zu anderen begabten und leistungsstarken Schüler(n)/Innen reduziert werden (z.B. in Selbstlernzentren der Schule, Wettbewerbsteilnahme, Sommercamps). Wichtig ist, dass die Schüler/Innen „legale" Möglichkeit im schulischen Raum erhalten ihre Fähigkeiten und Interessen zu zeigen. Sie müssen sich als verstanden und integriert erleben können.

Teamarbeit (= Arbeitsökonomie durch Miteinander)

Einige besonders begabte Schüler/Innen haben in der Schule Schwierigkeiten in Gruppen zu arbeiten. Kleingruppenarbeit ist häufig homogen und auf Übung hin angelegt. Dies führt bei Begabten und Leistungsfähigen manchmal zu Unwillen bis hin zur Verweigerung: sie arbeiten lieber allein und werden zu Einzelgängern und sogar Außenseitern.

Echte Teamarbeit ist jedoch durch unterschiedliche Kompetenzen und Arbeitsaufträge gekennzeichnet. Jedes Team(gruppen)mitglied arbeitet an einem anderen Teil des Auftrages bzw. Projektes. In solchen Arbeitsgruppen lernen auch die Begabten, was zu effektiver Gruppenarbeit notwendig ist, und dass Miteinander mehr als ein Alleingang bewirkt. Die Schüler/Innen arbeiten über einen festgelegten Zeitraum für ein gemeinsames Ergebnis. Dabei üben sie sich abzustimmen, ihre Arbeitsschritte zu koordinieren und sich an die notwendigen Zeiträume und Regeln zu halten. So können Schüler/Innen die Effizienz von gemeinsamer Tätigkeit erfahren. Kooperationsübungen sind bei manchen „Einzelgängern" darüber hinaus zusätzlich notwendig und sehr sinnvoll.

Selbst- und Fremdwahrnehmung (= mit unterschiedlichen Wahrnehmungen und Ausprägungen umgehen)

Zur sozialen Kompetenz gehört auch die angemessene Selbsteinschätzung und Einschätzung des anderen Menschen. In diesen Bereich gehört das Beobachten von eigenen Verhaltensweisen und Verhaltensweisen anderer Menschen. Die beobachtete Verhaltensweise soll selbst eingeschätzt und durch Rückmeldung der Freunde/ Gruppe/ Klasse begleitet werden. Kriterium ist dabei das Gruppenhinderliche bzw. Gruppenförderliche im individuellen Verhalten. Auch besonders begabte Schüler/Innen brauchen in diesem Lernprozess Lob und Erfolgsrückmeldungen. Deshalb ist es wichtig Kritik, Lob und Erfolg in angemessener Form zu formulieren und anzunehmen. In zeitlich festgelegten Abständen kann dies in einer Rückschau auch mit den Eltern und Schüler/In im Gespräch geschehen.

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