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Bericht zum Vortrag: Prof. Dr. Johannes Bastian "Miteinander im Gespräch sein-Lernprozessorientiertes Feedback als 'Treibstoff' individualisierten Lernens"

Prof. Bastian, emeritierter Professor für Erziehungswissenschaft in Hamburg und Mitglied der Redaktion von PÄDAGOGIK, hat es geschafft - trotz des "Mittagtiefs" die Zuhörer*innen in seinen Bann zu ziehen - auch wenn die Technik zwischenzeitlich einmal versagte.

Prof. Bastian ist dies gelungen durch seinen inhaltlich gehaltvollen Vortrag und seine engagierte Haltung. Viele Zuhörer*innen haben sicher aufgeatmet, als er sein Verständnis des  Begriffs "Feedback" darlegte, weg von einer angstbesetzen Umkehrung der Schüler-Lehrer-Rolle - nach dem Motto: Jetzt beurteilen die Schüler*innen die Lehrkräfte - und  auch abgrenzend  zu einem Verständnis von Feedback  als Bewertung des Schülerverhaltens bzw. ihrer  Leistungen durch die Lehrer*innen. Bastian hingegen definiert  Feedback als Dialog mit den Schüler*innen über  eigene Lernerfahrungen.

Prof. Bastian versteht Feedback dabei  als Katalysator für Lernen. Insbesondere individualisierte Lernprozesse benötigen im Rahmen des Beratungsprozesses seiner Meinung nach ein Mehr an Feedback.

Man spürte, dass die Bedeutung des Feedbacks ihm ein besonderes Anliegen ist, denn er schilderte anschaulich die Art der Lernprozesse in seinen eigenen Seminarveranstaltungen. Dort haben  die  Studierenden keine Referate gehalten, sondern Lernarrangements geplant und durchgeführt. Die Nachbesprechungen  erfolgten dann ganz auf der metakognitiven Ebene unter dem Fokus von Feedback: Welche Ziele hatten Sie? Was hat Ihnen  geholfen? Was nicht? Was ist Ihnen leicht gefallen? Was nehmen Sie sich vor?

Prof. Bastian spannt den Bogen zum System Schule und stellt hier die Funktion des Feedbacks dar. Man komme  mit den Schüler*innen in den echten Austausch über ihren Lernprozess und begnüge sich nicht mit eigenen Vermutungen  über die Lernerfahrungen der Schüler*innen.

Bastians Definition von  Feedback als  „Dialog mit dem Ziel Lernen besser zu verstehen“ knüpft an  Hatties Ansatz an, Lernen sichtbar zu machen und über Lernen zu reflektieren.  Verbunden sei damit auch eine Haltung des Interesses am Lernprozess der Schüler*innen, die Prof. Bastian durch seine eigene Lehrtätigkeit und sein  Engagement bei diesem Vortrag zeigt.

Die  Zuhörer*innen konnten die zum Abschluss konkret genannten  Methoden und Instrumente  für prozessbegleitendes  Feedback in allen Phasen des Unterrichts mit  in den Schulalltag nehmen: z.B. zum Anfang einer Unterrichtsreihe der Einsatz der Kopfstandmethode ("Was muss man machen, um richtig schlechten Unterricht zu machen?") oder im Laufe des Lernprozesses durch Lernjournale, Lerntagebücher, Zielscheiben oder zum Ende einer Unterrichtseinheit durch Feedbackmethoden wie EMU (evidenzbasierte Methoden der Unterrichtsdiagnostik und -entwicklung). Im Zentrum des Dialogs mit den Schüler*innen stehen dabei immer Fragen wie die, was ihnen beim Lernen geholfen habe und was nicht. Als ein neues Instrument digitaler Rückmeldung verweist Prof. Bastian auf www.feedbackschule.de von Prof. Zierer.

Die Zuschauer folgten dem Vortrag wie gesagt sehr  aufmerksam, viele machten sich Aufzeichnungen und fragten interessiert nach. Gerade das Verständnis von Feedback und die anschaulichen Beispiele haben Beate Achteresch-Horbach (Abteilungsleiterin einer Gesamtschule) beeindruckt: "Besonders aus diesem Vortrag konnte ich sehr viel für Schule und Unterricht mitnehmen."

Ulrike Thöne

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