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Ibrahim Ismail: Was denn noch!? –
Leitlinien und Aspekte in der Zusammenarbeit mit (verhaltensauffälligen) Jugendlichen

Lehrerinnen und Lehrer, die schwerpunktmäßig mit verhaltensauffälligen Jugendlichen zusammenarbeiten, stehen vor großen Herausforderungen. Wie lassen sich Jugendliche fördern, die u.a. durch Widerstand bzw. Rebellion auffallen? Die Gefahr, als Lehrkraft zum „Antreiber“ zu mutieren, ist groß. Wenn die Schülerinnen und Schüler nicht „wollen“, sie aber als Verfügungsmasse behandelt werden, die „muss“, ist es keine Übertreibung, von Gewalt zu sprechen. Dieser Zustand ist für Schülerinnen und Schüler wie für Lehrkräfte kraftzehrend und demotivierend.

In solchen verfahrenen Situationen ist es meist sinnvoll, den „RESET-Knopf“ zu drücken und lösungsorientiert neu zu beginnen. Dabei sind Partizipation und die Möglichkeit des Scheiterns als Notwendigkeiten der Bildungsförderung zu verstehen, denn in ihnen liegt eine große Chance. Verhaltensauffälligkeiten sind in der Regel Anzeichen persönlicher Probleme der Jugendlichen. Auf einem fragilen Persönlichkeitsgerüst lässt sich aber schlecht mit Ausbildung aufbauen, da es oftmals an Motivation und Konzentration fehlt. Daher bedarf es einer Erweiterung der pädagogischen Anteile im Unterricht, die es ermöglichen, eine Bindung zu den Schülerinnen und Schülern stärker aufzubauen. Denn neben der Ausbildung (Wissensvermittlung) bedarf es insbesondere bei dieser Zielgruppe an Persönlichkeitsbildung („Menschwerdung“ durch informelle Bildung). Dieser doppelte Auftrag sollte klar benannt werden. Mit ihm werden die Voraussetzungen dafür geschaffen, die Schülerinnen und Schüler zur ersten Stufe der Bildung zu führen, dem „Ich will“. Welcher Unterrichtsstoff gewählt wird, ist dagegen von nachrangiger Bedeutung. Für die notwendige und wertvolle pädagogische Arbeit sollte somit, ebenso wie für die Wissensvermittlung, Raum und Zeit zur Verfügung stehen.

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