Arnsberg vernetzt 2016:
Schwerpunkte beim sprachsensiblen Unterricht und Lerncoaching


SchülerInnen und LehrerinWie schaffen wir es, Schülerinnen und Schüler mit den unterschiedlichsten sprachlichen Hintergründen erfolgreich in ihrem Lernprozess zu unterstützen?

Diese Frage hat im Verlauf des letzten Jahres aufgrund der großen Zahl minderjähriger Flüchtlinge noch einmal an Brisanz gewonnen.

Und so legte die Bezirksregierung Arnsberg bei ihren Unterstützungsangeboten für Schulen im Netzwerk „Zukunftsschulen NRW“ hier einen Schwerpunkt:
Im Frühjahr fand unter dem Titel „Potenzial Sprache“ eine sehr gut besuchte Tagung in der Fachhochschule Iserlohn statt. Dort wurde den Anwesenden in dem Grundlagenvortrag von Herrn Prof. Eike Thürmann eindrucksvoll die Bedeutung eines sprachsensiblen Fachunterrichts vermittelt.

LehrerInnen mit SchildIn vielen verschiedenen Workshops gab es anschließend die Möglichkeit, unterschiedliche Methoden und Konzepte zu diesem Thema kennenzulernen.
Außerdem berichteten Schülerinnen und Schüler in einem Gespräch mit der Dezernentin Monika Nienaber-Willaredt von ihren ganz persönlichen Erfahrungen beim Erlernen einer neuen Sprache in einem fremdem Land.

Anlässlich dieses Termins konnte die Leiterin der Arnsberger Schulabteilug Susanne Blasberg-Bense 21 Schulen für ihre Arbeit in Netzwerken auszeichnen.

Am Ende der Tagung  äußerten viele Schulen den Wunsch,  die Sprache stärker in den Fokus ihrer Arbeit zu rücken, dementsprechend fand im Dezember im Schwerter „Haus Villigst“ eine „Netzbautagung“ als Folgeveranstaltung statt.
45 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 28 Schulen von 6 Schulformen hatten sich zu dieser „Partnerbörse“ angemeldet.

Im Gespräch„Wir sehen die Probleme, wir sehen den Handlungsbedarf!“, so  brachte ein Teilnehmer der Netzbautagung die Ausgangslage auf den Punkt.
Diese Problemlage wurde in dem Impulsvortrag von Michaela Hünting noch einmal eindringlich dargestellt. Die Qualität des Fachunterrichts muss aus ihrer Sicht daran gemessen werden, ob Schülerinnen und Schüler den Inhalt überhaupt verstanden hätten, denn die Sprache sei das Medium, in dem sich das Lernen vollziehe. In der Schule sei das Beherrschen der Bildungssprache die entscheidende Kompetenz. Sie grenze sich von der Alltagssprache durch ihre Orientierung an den Regeln des schriftlichen Sprachgebrauchs ab. Das Erlernen von Bildungssprache sollte dementsprechend unbedingt mit dem fachlichen Lernen verbunden werden, da der bewusste Umgang mit der Bildungssprache immer wieder geübt werden müsse.

PinwandNach dem Vortrag trafen sich die zunächst regional zugeordneten Schulen zum moderierten Gespräch, um so eine thematische Konkretisierung entsprechend der Wünsche und Bedarfe der einzelnen Schule vornehmen zu können.

In der sich anschließenden Phase unterstützten die Netzwerberaterinnen und –berater die am gleichen Thema Interessierten bei der Gründung eines Netzwerkes.

So schlossen sich im Verlauf der Tagung 24 Schulen in fünf neuen Netzwerken zu unterschiedlichsten Teilbereichen des Themas zusammen. In diesen Netzwerken werden in den kommenden Monaten verschiedene Schulformen gemeinsam Konzepte entwickeln, die helfen, das Potenzial Sprache bei den Schülerinnen und Schülern zu stärken.  Ziel der Netzwerkarbeit ist neben der Entwicklung von zukunftsfähigen Konzepten auch die gegenseitige Entlastung durch kooperatives Arbeiten an gemeinsamen Herausforderungen des schulischen Alltags.

Silke HinzUnterstützt werden sie dabei auf unterschiedlichen Ebenen, das machte Silke Hinz als neue Generalistin für den Bereich Individuelle Förderung gleich zu Beginn der Tagung deutlich:

Ulrich WiegandZum einen steht ihnen Ulrich Wiegand, der als Leiter des neu geschaffenen „Büros Individuelle Förderung“ unter anderem für die „Zukunftsschulen“ zuständig ist, als Ansprechpartner zur Verfügung.

Rainer Grüne-RosenbohmZum anderen unterstützen die von der Abteilung Lehrerfort-bildung  unter der Regie von Dezernent Rainer Grüne-Rosenbohm ausgebildeten Netzwerkberaterinnen und -berater den Prozess der Netzwerkarbeit. Sie unterstützen Schulen vor Ort bei der Bildung neuer Netze und werden sie auch bei ihrer nun beginnenden Arbeit zu unterschiedlichsten Aspekten des sprachsensiblen Unterrichts begleiten.

Und schließlich steht den aktiven Netzwerken auch eine Entlastung von sechs Stunden zur Verfügung. Diese erhalten sie, nachdem sie durch das Unterzeichnen des Kooperationsvertrages ihre aktive Netzwerkarbeit verbindlich gestaltet haben. Dabei entscheidet die Dezernentin in Rücksprache mit dem Netzwerk, ob die Entlastungsstunden der Referenzschule allein zugutekommen sollen oder unter den beteiligten Schulen aufgeteilt werden. 

Neben dem sprachsensiblen Fachunterricht stellte das Thema „Lerncoaching“ einen weiteren Schwerpunkt in der Netzwerkarbeit Arnsberger Schulen im Jahr 2016 dar:
Insgesamt 16 Schulen fanden sich zu Beginn des Schuljahres 2016/17 in drei großen Netzwerken zusammen, um gemeinsam am Thema „Lernberatung/Lerncoaching“ zu arbeiten. Die Idee dazu wurde bei einem Fachtag des Regionalen Bildungsbüros Hagen im Januar geboren, der von Torsten Nicolaisen zum Thema „Lernberatung konkret in heterogenen Lerngruppen“ durchgeführt wurde. Die Teilnehmenden, Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen aus  Hagen und Umgebung, ließen  sich von Torsten Nicolaisens Ausführungen zum „subjektiven Erleben im Lernprozess“ inspirieren.

Die gemeinsame Arbeit wurde dann im Juni bei der konstituierenden Sitzung durch Zuordnung der teilnehmenden Netzwerkschulen zu drei Referenzschulen sowie die Unterzeichnung der Kooperationsverträge besiegelt.

Dabei wurden mit Blick auf die SuS folgende Ziele für die Arbeit vereinbart:

  • Erweiterung der Selbstkompetenzen durch Aktivierung von eigenen Ressourcen
  • Erweiterung der metakognitiven Kompetenzen zur sicheren Selbsteinschätzung
  • Abbau von Lernblockaden, Prüfungsängsten und allgemeinen, nicht fachspezifischen Lernschwierigkeiten
  • Förderung von Selbstwirksamkeit und Selbstverantwortung
  • Erarbeitung von passgenauen Lernstrategien

Ein besonderes Spezifikum dieser Netzwerkarbeit ist zum einen die sehr enge und abgestimmte Kooperation dreier Netzwerke, zum anderen die Kombination von fachlicher Qualifizierung, praktischem Training und kollegialem Austausch, wie es in der Planung der gemeinsamen Arbeit zu erkennen ist:

Netzwerke „Lernberatung“: Planung für das Schuljahr 2016/17

Referenzschule
Heinrich von Kleist Gymnasium Bochum

Referenzschule
Albrecht-Dürer-Gymnasium Hagen

Referenzschule
Grundschule Henry-van-de Velde Hagen

Goethe-Schule Bochum

Gymnasium Hohenlimburg Hagen

Ricarda Huch Gymnasium Hagen

Ruhr Gymnasium Witten

Sekundarschule Altenhagen Hagen

Liselotte-Funcke-Schule Sekundarschule Hagen

Gymnasium St. Christophorus Werne

Grundschule Emst Hagen

Grundschule Boloh Hagen

Lessing-Schule Bochum

Grundschule Overberg Hagen

Gesamtschule Fritz-Steinhoff Hagen

Stadtgymnasium Dortmund

 

Rivius Gymnasium Attendorn

Planung 2017/18

INPUT T. NICOLAISEN: Die Die inhaltliche Gestaltung dieser Input-Tage im Rahmen der Netzwerkarbeit richtet sich nach den Bedürfnissen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Es werden dabei Grundlagen von Lerncoaching gelegt, die bei den „kollegialen Praxistagen“ trainiert werden.
KOLLEGIALER PRAXISTAG LERNCOACHES Die Termine für die beiden im Schuljahr 2016/2017 vorgesehenen kollegialen Praxistage dienen der Reflexion und Umsetzung des fachlichen Inputs. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Netzwerke werden in getrennten Netzwerktreffen von ausgebildeten Lerncoaches praxisbezogen trainiert, mit dem Ziel, am Ende des Schuljahres 2016/17 in die konkrete Lerncoachingtätigkeit eintreten zu können.
INFORMATION ZUR UMSETZUNG T. NICOLAISEN Die Info-Veranstaltung ist ein Angebot für die Schulleitungen und interessierte Kolleginnen und Kollegen der beteiligten Netzwerkschulen. Vor der Implementierung von Lerncoaching an den Netzwerkschulen steht hier die konkrete Umsetzung in der Schule im Fokus.
NETZWERKTREFFEN werden mit Unterstützung von Netzwerkberaterinnen und Netzwerkberatern durchgeführt. Ggf. verbinden sich einzelne Netzwerke für einige Treffen noch einmal. Die Referenzschulen sind verantwortlich für die Organisation der Treffen.