Berufskolleg Kaufmännische Schulen des Kreises Düren und Paul-Julius-Reuter-Berufskolleg, Aachen


Individuelle Förderung an kaufmännischen Berufskollegs

Individuelle Förderung ist an Berufskollegs besonders wichtig und erfolgt unter besonderen Bedingungen: Zu nennen sind hier eine teilweise extrem heterogene Schülerschaft mit oft unkonventionellen Bildungskarrieren und Schulerfahrungen, eine relativ kurze Verweildauer der Schülerinnen und Schüler am Berufskolleg, die Vielzahl der Bildungsgänge, insbesondere im Bereich der kaufmännischen Berufsschule, die Vielzahl möglicher Abschlüsse und eine deutliche (kaufmännisch geprägte) Berufsorientierung in allen Fächern. Zudem ist das System Berufskolleg von der Struktur her inklusiv angelegt. Unsere Lehrpläne sind kompetenzorientiert ausgerichtet, d. h. dass unsere Schülerinnen und Schüler ausgehend von einer Handlungssituation mit realem Lebens- oder Arbeitsweltbezug Aufgaben- und Problemstellungen bearbeiten und lösen.

Daher suchen Berufskollegs im Netzwerk als Partner bevorzugt Schulen gleicher Schulform, um auf einer gemeinsamen Basis aufzubauen. Im Moment widmen wir, zwei Referenzschulen im Netzwerk „Zukunftsschulen NRW“, uns einer gemeinsamen Lese- und Schreibförderung, die die Basiskompetenzen für den schulischen und beruflichen Erfolg unserer Schülerinnen und Schüler darstellen.

Was bringen wir ein?

Berufskolleg Kaufmännische Schulen des Kreises Düren:

„Die Zukunft des Lesens“ hieß im Dezember 2014 die Titelgeschichte des Wochenmagazins Der Spiegel: „Schneller, besser, sinnlicher“ werde die wichtigste Kulturtechnik, seitdem digitale Medien wie Tablets oder Smartphones das gedruckte Papier ergänzen und zunehmend ablösen.

Doch damit ist die drängende Frage nicht beantwortet, wie und woran Schülerinnen und Schüler ihre auch in kaufmännischen Berufen mehr denn je erforderliche Lesekompetenz erwerben, festigen und erweitern.

Dieser Frage und der damit verbundenen didaktischen Herausforderung stellt sich das Projekt-Team Leseförderung an unserem Berufskolleg bereits seit dem Jahr 2002. Zu diesem Zeitpunkt wurde zur Förderung der Schreib- und Lesekompetenz eine umfangreiche Kooperation zwischen mehreren Berufskollegs, der Universität zu Köln, der IHK und HWK Aachen, verschiedenen Sponsoren sowie der Stiftung Lesen ins Leben gerufen.

Anlass waren die eklatanten Schwierigkeiten vieler unserer Schülerinnen und Schüler, Fließtexte, Schaubilder und Tabellen zu verstehen, zu bearbeiten und deren Inhalte zu beurteilen. Von Anfang an war es daher unser Anliegen, motivierendes und adressatengerechtes Material zu erstellen und damit unsere Schülerinnen und Schülern insbesondere im Bereich der Lesekompetenz zu fördern.

Unser Konzept der Leseförderung

Dazu werden am Berufskolleg Kaufmännische Schulen des Kreises Düren mit den Schülerinnen und Schülern unterschiedliche und passgenaue Lesestrategien für Texte aus Print- und digitalen Medien erarbeitet und konsequent angewendet. So werden Lesen und Textverstehen – sei es in Büchern oder an Bildschirmen – als Schlüsseltechniken der modernen Informationsgesellschaft gezielt gefördert. Die Materialien zur Leseförderung werden jährlich von einem festen fünfköpfigen Team aus dem Fachbereich Deutsch mit dem Schwerpunkt „Leseförderung am Berufskolleg“ als Reader für alle Deutsch-Fachkolleginnen und Fachkollegen aktualisiert erstellt, sodass eine parallele Unterrichtsreihe mit abschließender Parallelklausur möglich wird. Die Unterrichtsreihe startet mit einem „Lesetest“, der mittels Selbsteinschätzung der Schülerin bzw. des Schülers über ihre bzw. seine individuell erbrachte Leistung, anhand einer „Musterlösung“ ausgewertet wird. Ergänzt wird die Selbsteinschätzung in zweifacher Weise: durch die Fremdeinschätzung durch Mitschülerinnen und Mitschüler sowie über die Lehrenden. Anschließend werden in der folgenden Unterrichtsreihe Lesestrategien erarbeitet oder aufgefrischt, konsequent angewendet und das Verfassen von Stellungnahmen unter Einsatz von Aufbau- und Formulierungshilfen erarbeitet. Ebenso werden Grundlagen wie z. B. die Arbeit mit dem (Fremdwörter)-Duden thematisiert. Vor der eigentlichen Parallelarbeit schreiben die Schülerinnen und Schüler eine „Probeklausur“, die wiederum mittels Selbsteinschätzung anhand der Musterlösung ausgewertet wird. Über sogenannte Kann-Listen ist es den Schülerinnen und Schülern möglich, ihren individuellen Bedarf an Übung, Wiederholung oder Anwendung von Lesetechniken vor der Klausur zu ermitteln. In Klausuren gibt es immer Punkte für die Anwendung von Lesetechniken, z. B. nachweisbar durch gezielte Unterstreichungen in den Texten.

Das Basismaterial des Readers kann fächerübergreifend auch von Nicht-Deutschkolleginnen und -kollegen in den Fachunterricht integriert oder adaptiert werden. Fast alle unsere Texte bieten Ansatzpunkte für einen fächerübergreifenden Unterricht. (Fast) alle unserer Schülerinnen und Schüler in den verschiedenen Bildungsgängen (vollzeitschulisch und berufsschulisch) durchlaufen während ihrer Zeit an unserem Berufskolleg das Lesetraining. Alle Kolleginnen und Kollegen – nicht nur im Deutschunterricht – verweisen auf die im Deutschunterricht erarbeiteten Strategien und/oder fordern die Anwendung von Lesetechniken nachhaltig ein.

Unser auf einer wissenschaftlichen Grundlage beruhendes Konzept ist seit langem fest in unserer Unterrichtsplanung und im Schulprogramm unseres Berufskollegs verankert. Dieses Konzept wurde mehrfach evaluiert, als Best Practice Beispiel gelobt und mit Preisen, u. a. dem Deutschen Berufsschulpreis, ausgezeichnet. 2016 waren wir für den Deutschen Lesepreis der Stiftung Lesen nominiert. Passend zur schon erwähnten Spiegel-Titelgeschichte „Die Zukunft des Lesens“ sind wir nun auch mit unserem Konzept zur Leseförderung Referenzschule im Netzwerk „Zukunftsschulen NRW“.

Unterstützt und erweitert wird dieses unterrichtliche Konzept durch die Materialien in unserem MInZe (Medien-Informations-Zentrum). Zusammen mit Schülerinnen und Schülern beschaffen wir „Lesematerial“, das dann in Präsentationen schriftlich und mündlich vorgestellt wird. So fördern wir ausgehend von unserer Grundidee, der Förderung der Lesekompetenz, ebenso die notwendigen Kompetenzen in den Bereichen Schreiben und Sprache. An diesem Knotenpunkt setzt auch die Zusammenarbeit im Netzwerk „Zukunftsschulen NRW“ an. Unser bestehendes Konzept profitiert von der Netzwerkarbeit mit dem Paul-Julius-Reuter-Berufskolleg, Aachen und Impulsen des Käthe-Kollwitz-Berufskollegs in Aachen.

Schüler bei der Präsentation des von ihm gewählten Buches im MInZe

Schüler bei der Präsentation des von ihm gewählten Buches im MInZe, auf dem Tisch die weiteren fertiggestellten Ergebnisse für die Buchpräsentationen, die gleichzeitig als Leseempfehlungen für unsere Schülerinnen und Schüler ausliegen.

Im Wirtschaftsgymnasium entwickeln wir derzeit ein kombiniertes Förderkonzept (Förderung der Lese-, Schreib- und Sprachkompetenz), das den nun auch für das Zentralabitur vorgesehenen Arbeitsauftrag des materialgestützten Schreibens aufgreift. Diese Schülerergebnisse – in der Erprobungsphase haben unsere Schülerinnen und Schüler Essays verfasst – werden ebenso in unserem MInZe präsentiert und somit auch allen anderen Schülerinnen und Schülern zugänglich gemacht.

Präsentation der Schülerarbeiten

Präsentation Schülerarbeiten des Wirtschaftsgymnasiums (Essays) im MInZe

Für die Zweijährige Berufsfachschule (Höhere Handelsschule) planen wir im nächsten Arbeitsschwerpunkt, nach dem Erwerb von Grundlagen im 10-Finger-Tastschreiben im Fach Informationswirtschaft, in einer Pilotklasse vermehrt Ausarbeitungen im Deutschunterricht am PC erstellen zu lassen. Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, Texte zu verfassen, Korrektur zu lesen und Korrekturprogramme des PCs zu nutzen, um ihre Schreibkompetenz zu verbessern. Abschließend für eine Unterrichtsreihe soll dann auch die Klassenarbeit am PC geschrieben werden. Hierdurch erhoffen wir uns über den Vergleich der Fehlerhäufigkeit mit anderen Klassen Aussagen, ob und inwieweit die Schreibkompetenz am PC ausgeprägt ist bzw. gefördert werden sollte.

Unser zweiter Schwerpunkt im Netzwerk

Erweitert wird die Zusammenarbeit mit anderen Berufskollegs für die Netzwerkarbeit im Bereich der Leseförderung durch eine intensivierte Zusammenarbeit im Bereich der Ausbildungsvorbereitung. Hier liegt der Schwerpunkt in der Arbeit der sonderpädagogischen Betreuung einzelner Schülerinnen und Schüler, um insbesondere Schulabsenzen vermeiden zu können. Weiterhin arbeiten wir daran, mit Hilfe eines Förderplankonzepts die Arbeit der Schülerinnen und Schüler in Tageslernsituationen voranzubringen. In diesem Bereich sind wir momentan als Netzwerk aktiv in regem Gedankenaustausch und der Planung konkreter Maßnahmen mit dem Käthe-Kollwitz-Berufskolleg, Aachen, dem Richard-Riemerschmied-Berufskolleg, Köln, sowie dem Berufskolleg Eifel in Kall.

Paul-Julius-Reuter-Berufskolleg Aachen

Den Förderschwerpunkt für die individuelle Sprachförderung in der Höheren Handelsschule legt das Paul-Julius-Reuter-Berufskolleg auf die Schriftsprachkompetenz. In diesem Bereich sind wir als Referenzschule im Netzwerk „Zukunftsschulen NRW“ tätig.

Zu Beginn der Unterstufe werden alle Schülerinnen und Schüler in ihrer Schriftsprachkompetenz getestet. Wir verwenden den „Loeffler-Test“ als online-Version. Die Vorteile dieses Testes bestehen für uns in der unkomplizierten Durchführung, alle Schülerinnen und Schüler klassenweise in Computerräumen zu testen, in der kurzfristigen Korrektur durch das Loeffler-Institut und in der ausführlichen Darstellung der Ergebnisse. So erhalten wir zwei bis vier Tage nach dem Abschicken der Tests für jede eingegebene Klasse ein Gruppenprofil, eine Gesamtübersicht der Ergebnisse und ein Individualprofil für jede Schülerin/jeden Schüler.

Der Aufbaukurs Deutsch

Auf der Grundlage dieser Ergebnisse – in verschiedenen Bereichen der Schriftsprachkompetenz sowie auf der Wort- und der Satzebene – teilen wir die Unterstufenschülerinnen und -schüler in unseren Aufbaukurs Deutsch ein. In diesem die Unterstufe begleitenden Kurs führen wir zu Beginn des Schuljahres Einzelberatungen durch. Grundlage der Sprachberatung sind drei Elemente:

  1. die Ergebnisse des Loeffler-Tests
  2. eine schriftlich verfasste Selbsteinschätzung der Schülerin/des Schülers
  3. die Noten der Zubringerschulen.

Mithilfe dieser drei Unterlagen wird im Gespräch mit der Schülerin/dem Schüler ein Förderplan für das erste Halbjahr der Unterstufe entwickelt. Im wöchentlich in einer Doppelstunde stattfindenden Aufbaukurs werden ab diesem Zeitpunkt 45 Minuten für die vereinbarten Maßnahmen und Ziele individuell verwendet. Hierüber führen die Schülerinnen und Schüler einen Zeitplan mit den bearbeiteten Themen, der der Fachkollegin/dem Fachkollegen regelmäßig vorgelegt werden muss. Übungsmaterial steht in Papierform zur Verfügung.

Die übrige Zeit wird für die Sprachförderung in der Kleingruppe genutzt. Das Loeffler-Institut stellt mit den Testergebnissen Fördermaterial bereit, das in Gruppen zu erarbeiten ist. Die Kleingruppen werden von Loeffler durch die Einzelergebnisse gebildet, so dass auch hier eine Entlastung der Fachkolleginnen und -kollegen stattfindet. Material existiert z. B. im Bereich der Syntax, der Wortbildung und der Großschreibung. Die gemeinsam im Kurs gestaltete Zeit wird außerdem zur Grundlagenarbeit verwendet. Diese umfasst den Umgang mit dem Duden, das Erkennen von Sprachebenen, die Anwendung von Schreib- und Lesetechniken.

Im zweiten Halbjahr wird die Kurseinteilung überdacht und die Leistungen in der Höheren Handelsschule in den schriftlichen Bereichen als Entscheidungskriterium hinzugenommen. Die Förderpläne werden in Einzelgesprächen reflektiert, die bisherige Arbeit wird evaluiert und neue Fördermaßnahmen werden gemeinsam ausgearbeitet. Die pädagogischen Gespräche mit den einzelnen Schülerinnen und Schülern und die pädagogischen Klassenkonferenzen ergänzen im Vorfeld der neuen Förderpläne die Beratungsmöglichkeiten der Fachkolleginnen und -kollegen.

Wichtig wird im zweiten Halbjahr im Aufbaukurs ein Raum mit der Möglichkeit, den Computer zu nutzen, da die Schreibleistungen der Schüler zunehmen. Textverständnis und eigene Textproduktion stehen nun im Vordergrund. In Schreibwerkstätten werden eigene Texte erstellt und überarbeitet, sodass Fehler stärker selbst erkannt und verbessert werden können. Gearbeitet wird in diesem Zeitraum inhaltlich auf zwei Ebenen – einmal mit Texten und Schreibanlässen aus dem Fachunterricht und zum anderen als kreatives Schreiben zu unterschiedlichen Bildern, Anlässen oder sonstigen Vorgaben.

Fehlerentwicklungsplan

Fehlerentwicklungsplan

Der Fachunterricht

Die Ergebnisse der Diagnosetests werden aber auch den Deutschfachkolleginnen und -kollegen der getesteten Klassen weitergeleitet. Diese nehmen Kontakt zu den übrigen Fachlehrerinnen und -lehrern auf und stellen in der ersten pädagogischen Klassenkonferenz die Leistungsfähigkeit der Klasse bzw. einzelner Schülerinnen und Schüler dar. Die Stärke bzw. Schwäche einzelner Schülerinnen und Schüler hat Auswirkungen auf die schriftlichen Leistungen in fast allen Unterrichtsfächern, sodass Kolleginnen und Kollegen gemeinsam individuelle Schülerförderstrategien entwickeln.

Im Deutschunterricht wird die Individuelle Förderung der Schriftsprachkompetenz durch von der Lehrerin/dem Lehrer initiierte und begleitende Eigenarbeit geleistet. Rechtschreibübungen, Zeichensetzungsregeln, das Erkennen von Satzstrukturen oder Wortschatzübungen sind als Unterrichtsinhalte in der Höheren Handelsschule nur am Rande möglich.

Die eigenverantwortliche Arbeit der Schülerin und des Schülers beginnt mit der Rückgabe der ersten Klassenarbeit. Ein von uns erarbeiteter Fehlerentwicklungsplan wird von der/dem Lernenden unter Anleitung ausgefüllt. Die Schülerinnen und Schüler untersuchen die selbstverfassten Texte der Klassenarbeit im Hinblick auf die Art und Häufigkeit der gemachten Fehler. So werden Fehlerschwerpunkte erkannt und Übungsansätze deutlich. Die Schülerinnen und Schüler entscheiden an dieser Stelle selbst, welchen Übungsschwerpunkt sie bis zur nächsten Klassenarbeit legen. Dies wird von ihnen schriftlich festgehalten und der Deutschlehrerin/dem Deutschlehrer mitgeteilt. In dem vereinbarten Zeitraum muss die Schülerin/der Schüler einen Nachweis über die Beschäftigung mit dem Übungsschwerpunkt geben. Das Formular über die Fehlerschwerpunkte begleitet die Schülerin/den Schüler durch die gesamte Schulzeit im Bildungsgang, um positive Entwicklungen zu verdeutlichen bzw. Beratungen hinsichtlich der Schriftsprachkompetenz sinnvoll fortführen zu können.

Sprachförderung als Teil des Übergangsmanagements

Sprachkompetenz gilt für uns als Grundlage eines erfolgreichen Schul- und Berufslebens. Deshalb ist die Sprachförderung ein wichtiger Teil unseres Übergangsmanagements. Ein den mündlichen Sprachgebrauch förderndes Konzept zieht sich durch die fächerübergreifenden Unterrichtsinhalte in der Unter- und Oberstufe der Höheren Handelsschule. Als Referenzschule im Netzwerk „Zukunftsschulen NRW“ liegt in diesem Bereich unsere zweite Schwerpunktarbeit. Unser Konzept, das mit einem Präsentationstraining startet, Präsentationen im Fachunterricht einschließt, über einen Praktikumsinformationstag und mit der Gestaltung und Ausführung eines „Tages der offenen Tür“ mit Präsentationen vor einem fremden Publikum endet, wird gestützt durch Außenkontakte mit Unternehmen und der RWTH Aachen als dem größten Ausbilder der Region. Begleitet wird die Förderung durch den Kompetenzunterricht mit Inhalten, die persönliche und soziale Schlüsselkompetenzen fördern. In diesem Bereich ist ein weiteres Netzwerk entstanden mit dem Richard-Riemerschmid-Berufskolleg, Köln, dem Georg-Kerschensteiner-Berufskolleg, Troisdorf und der Käthe-Kollwitz Schule, Aachen.

Der Schwerpunkt im bestehenden Netzwerk – wie profitieren wir

Berufskolleg Kaufmännische Schulen des Kreises Düren:

Als Schwerpunkt haben wir uns neben einer gut etablierten und erfolgreichen Leseförderung für die Netzwerkarbeit eine vertiefte Schreibförderung gesetzt. Denn unübersehbar sind die Schwierigkeiten vieler Schülerinnen und Schüler beim Schreiben auch und gerade in der Digitalisierung. Dies zeigt sich mittlerweile in allen Fächern mit schriftlichen Leistungserwartungen. Gleichzeitig wird gerade in kaufmännischen Unternehmen eine sichere Schreibkompetenz – verbundenen mit entsprechender Sicherheit in der Präsentation – erwartet. Hier anzusetzen ist unser Anliegen in der Zusammenarbeit mit dem Paul-Julius-Reuter-Berufskolleg in Aachen und dem Käthe-Kollwitz-Berufskolleg in Aachen. Andere Berufskollegs sind interessiert am Austausch und profitieren sehr von unseren vielfältigen Erfahrungen. Insbesondere mit Blick auf eine verbesserte Diagnostik der Lese- und Schreibkompetenz unserer Schülerinnen und Schüler schätzen wir die Anregungen über das Netzwerk Zukunftsschulen NRW. Das Paul-Julius-Reuter Berufskolleg Aachen brachte uns etwa das standardisierte Diagnose-Tool des Löffler-Instituts näher, das wir probeweise in der Zweijährigen Berufsfachschule (Höhere Handelsschule) einsetzen möchten. Nachdem wir praxisnah und unter Anleitung der Aachener Kolleginnen selbst die einzelnen Testbereiche erproben konnten, gilt es für uns nun, Wege zur Realisierbarkeit in unserem – doch im Vergleich zum Paul-Julius-Reuter-Berufskolleg deutlich größeren – Bildungsgang der Zweijährigen Berufsfachschule (Höhere Handelsschule) zu finden. Ausgehend von den Erfahrungen am Paul-Julius-Reuter-Berufskolleg, wie dann nach erfolgter Diagnose konkret weitergefördert werden kann, werden wir uns „ans Werk machen“. Ebenso war uns der von den Aachener Kolleginnen bereits erprobte Fehlerentwicklungsplan, der nach der ersten Klausur eingesetzt wird, ein wertvoller Impuls, den wir aufgegriffen haben und nun noch nachhaltiger umsetzen möchten. Das Käthe-Kollwitz-Berufskolleg wird unsere Einblicke in den sprachsensiblen Unterricht in allen Fächern erweitern.

Im Bereich des „zweites Netzwerkes“, der Zusammenarbeit mit anderen Berufskollegs im Bereich der Ausbildungsvorbereitung profitieren wir gegenseitig vom Erfahrungsaustausch und der gemeinsamen Arbeit zur Umsetzung unserer Ideen.

Paul-Julius-Reuter-Berufskolleg Aachen:

Wie bereits beschrieben, besteht unsere Schwerpunktarbeit der individuellen Sprachförderung im Schriftsprachbereich. Dies hat bisher zur Folge gehabt, dass die Leseförderung in den Hintergrund getreten ist. Durch den Kontakt mit dem Berufskolleg Kaufmännische Schulen des Kreises Düren haben wir ein ausgearbeitetes und erprobtes Konzept der Leseförderung kennengelernt. Die intensive Netzwerkarbeit mit Begegnungen in der Dürener Schule bewirkten eine besondere Verbindung von Theorie und Praxis. Wir sind in die Konzepte eingeführt worden, konnten Handouts zur weiteren Beschäftigung mitnehmen und haben die Praxis der Leseförderung gesehen. Eingebunden in die Arbeit am Lernfeld 2 der Höheren Handelsschule haben wir die Methode des Legens eines Strukturbildes zu Textinhalten, einem Vorschlag aus dem Dürener Handout.

Beeindruckt haben uns die Ergebnisse der Lernenden, die uns zugänglich gemacht wurden und die durch die Schülervorschläge entstandene Bibliothek.

Für unsere Arbeit bedeutet dies, dass wir unsere Förderung um eine konkrete Leseförderung erweitern wollen. Folgende Schritte sind in der Planung:

  1. Vorstellen der Leseförderung in einer Bildungsgangkonferenz
  2. Herbeiführung eines Beschlusses zur Implementierung dieser Förderung im Bildungsgang
  3. Organisation der Fördergelder für die anzuschaffenden Bücher durch Kontaktaufnahme mit dem Förderverein der Schule
  4. Start der speziellen Förderung mit einer Klasse im Schuljahr 2017/18

Nach einigen gescheiterten Versuchen eine für die Schülerinnen und Schüler interessante Bibliothek einzurichten, hat das Dürener Projekt uns neue Anreize und Ideen vermittelt. Dies ermöglicht uns, ein bereits durchdachtes Konzept für unsere Schule umzusetzen und uns bei Problemen, Fragen oder neuen Ideen im Hinblick auf eine sinnvolle Schülerförderung auszutauschen.

Die spezielle Raumnutzung und Platzierung der Schülerbücherei wird eine weitere Planungsmöglichkeit für uns sein, bei der wir sicherlich auf die fachliche Unterstützung der Dürener Kolleginnen und Kollegen vertrauen können.

Im Bereich des Übergangsmanagements profitieren wir von der Einbeziehung der Sonderpädagogen an den Berufskollegs, die unser Augenmerk auch auf die Ausbildungsvorbereitung und die Internationalen Förderklassen lenkt und eine unkomplizierte Verwirklichung durch fachlichen Austausch bewirkt.

Fazit

Die Netzwerktreffen haben gezeigt, dass wir als Fachkolleginnen und -kollegen in Theorie und Praxis bereichert werden und von den jeweiligen Erfahrungsschwerpunkten enorm profitieren können. Dies gilt auch für die Mitarbeit der Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen sowie der Förderschullehrerinnen und -lehrer mit dem Fach Deutsch in der Ausbildungsvorbereitung. Wir haben gemerkt, dass es gewinnbringend ist, einmal Einblicke in die Arbeit an anderen Berufskollegs an ähnlichen Schwerpunkten zu erhalten. Der „Blick über den Tellerrand“ lohnt sich!

Insofern sind weitere Treffen mit neuen Themen bzw. Themenschwerpunkten angedacht, wie z. B. das Treffen zum sprachsensiblen Fachunterricht an der Käthe-Kollwitz-Schule in Aachen. 

 

Für das Berufskolleg Kaufmännische Schulen des Kreises Düren:
Susanne Mertens-Eymael
Dr. Christian Schäfer

Für das Paul-Julius-Reuter-Berufskolleg, Aachen
Maria Herrmann
Dorothee Meyer