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Bericht zum Praxisforum mit Prof. Peter Paulus: „Mit Gesundheit gute Schule gestalten – Schritte für eine nachhaltige Schulentwicklung"

Schon lange gehört die Gesundheitsförderung im Sinne von Gesundheitslehre zum Bildungsauftrag der Schulen. In der heutigen Zeit sollte jedoch aus der „Schule im Dienst der Gesundheit“ die „Gesundheit im Dienst der Schule“ entwickelt werden. Die Gesundheit und das Wohlbefinden von Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern ist eine Grundbedingung für erfolgreiches Lehren und Lernen und damit auch für die Qualität einer Schule.

Der Professor für Psychologie an der Universität Lüneburg, Peter Paulus, beschreibt den Teilnehmern seines Praxisforums den Paradigmenwechsel: Aus dem verhaltensbasierten Ansatz der 80er Jahre entwickelte sich die gesundheitsfördernde Schule, die jetzt aufgefordert ist zur „Guten gesunden Schule“ zu werden. Das bezieht sich im zunehmendem Maße auf die psychische Gesundheit der an Schule Beteiligten. Er stellt ein seit 2013 bestehendes Unterstützungsportal für Schulen vor, das seine Universität zusammen mit der Unfallkasse NRW, sowie dem Gemeinde-Unfallversicherungsverband Hannover und der Barmer GEK anbietet: Mind Matters – Mit psychischer Gesundheit gute Schule entwickeln.

Auf der Internetseite www.mindmatters-schule.de heißt es „Die Basis … ist deshalb die Förderung von Ressourcen und Fähigkeiten, die es den Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften erlauben, mit den täglichen Anforderungen produktiv umzugehen und ihr Leben eigenverantwortlich zu gestalten. Psychische Gesundheit bezeichnet also das Ausmaß einer individuellen Balance zwischen „produktiver Anpassung“ (Bewältigung von alltäglichen Herausforderungen) und „Selbstverwirklichung“ (Realisierung eigener Lebensvorstellungen und –wünsche)“. Das Programm enthält eine Vielfalt von Schulentwicklungs- und Unterrichtsentwicklungsmodulen.

Paulus stellt den medizinischen Blickwinkel der „Salutogenese“ nach Aaron Antonovsky (1923–1994) vor, welcher die Frage „Wie entsteht Gesundheit?“ in den Vordergrund stellt, im Gegensatz zur pathogenetischen Fragestellung der traditionellen Medizin.

Nach Antonovsky ist eine Grundvoraussetzung für die psychische und physische Gesundheit das Kohärenzgefühl. Es besteht aus drei Komponenten:

Kohärenz besteht aus den Komponenten: Verstehbarkeit, Handhabbarkeit/Bewältigbarkeit und Sinnhaftigkeit

Zusammengefasst könnte man es „Vertrauen in die Welt“ nennen: Die Fähigkeit, dass man die Zusammenhänge des Lebens versteht, die Überzeugung, dass man das eigene Leben gestalten kann und der Glaube, dass das Leben einen Sinn hat, bilden demnach die Grundlage für körperliche und geistige Gesundheit.

Diese Erkenntnisse bei der Führung einer Schule zu beachten, ist für Professor Paulus eine zentrale Verantwortung der Schulleitung auf dem Weg zur guten gesunden Schule. In einer Praxisphase wurde sich daher in Gruppen mit dem Thema „Arbeit am Kohärenzgefühl – eine kohärente Schule“ auseinandergesetzt. Hier wurden folgende Gelingensbedingungen herausgearbeitet: Transparente Kommunikation – Demokratisierung von Prozessen – Wertschätzender Umgang – wechselseitige Rückmeldungen – Delegation und Begleitung – Leitbildorientierung –  Zeitrahmen, der Entwicklung ermöglicht – Berücksichtigung unterschiedlicher Voraussetzungen von Kollegiums-Mitgliedern.

 

Claudia Katthagen
Landesredaktion Zukunftsschulen NRW

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