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LiF-Studientag 2016 in Münster: Selbstreguliertes Lernen stärken / Unterzeichnung eines Kooperationsvertrags zwischen der WWU Münster, dem MSW und der QuaLis NRW

Wie können Schülerinnen und Schüler ihr Lernen selbst organisieren? Wie viel Unterstützung benötigen sie dabei von den Lehrkräften? Diese Fragen standen bei Vorträgen und Workshops im Fokus des Studientags „Selbstreguliertes Lernen. Chancen und Grenzen im Kontext individueller Förderung, Inklusion und Integration“ an der WWU Münster am 4. Juni 2016.

Im Hauptvortrag „ Selbstreguliertes Lernen in der Schule – kognitive, metakognitive und motivationale Aspekte“  ging Prof. Gerhard Büttner, Professor für Pädagogische Psychologie an der Universität von Frankfurt, zunächst auf die wachsende Bedeutsamkeit selbstregulierten Lernens ein. Hierbei betonte er die Notwendigkeit lebenslangen kompetenzbasierten Lernens, sowie die positiven Effekte von Lernmotivation und schulischen Leistungen, die auch in Interventionsstudien nachgewiesen werden konnten. Zum besseren Verständnis selbstregulierten Lernens, das  er als einen aktiven und zielorientierten Prozess versteht, stellte er zwei Modelle vor: das Prozessmodell von Zimmerman, in dem die Folge von  Handlungsplanung Handlungsausführung und Selbstreflexion im Fokus steht, und das Drei-Ebenen-Modell von Boekaerts, wonach Regulationsprozesse sowohl auf der inhaltlichen Ebene (Kognition), als auch auf der Steuerungsebene (Metakognition)  und auf der Ebene der Steuerung des Selbst (Motivation) anzusiedeln seien.

In seinem Vortrag setzte Prof. Büttner klare inhaltliche Akzente und beschäftigte sich intensiver mit den Lernstrategien, die für das Gelingen selbstregulierten Lernens eine zentrale Voraussetzung sind. Er erläuterte kognitive Lernstrategien, die vor allem bei der Verarbeitung von Informationen helfen können, und unterschied Wiederholungsstrategien, die eher auf der Oberfläche bleiben würden, Organisations- und Elaborationsstrategien, die er als Tiefenstrategien bezeichnete, weil sie darauf ausgelegt seien, Zusammenhänge zu verstehen. Bei den Wiederholungsstrategien empfahl er  am Beispiel des Lernens  mit Vokabelkarteien das verteilte,  wiederholte Üben in größeren Abständen statt einer massiven Wiederholung  in kurzen Zeitintervallen. Im Rahmen der  Organisationsstrategien, mit deren Hilfe Inhalte strukturiert werden z.B. durch Markieren oder Zusammenfassen,  unterstrich er exemplarisch die Bedeutsamkeit  der Mindmap. Elaborationsstrategien meinen in diesem Zusammenhang die Anknüpfung an Vorwissen wie z.B. das Suchen von Analogien. Während die kognitiven Lernstrategien eher aufgabenspezifisch seien und sich nicht auf unterschiedliche Fächer übertragen lassen würden, seien metakognitive Lernstrategien nicht aufgabenspezifisch. Hierzu gehören Planungs-, Monitoring- und Evaluationsstrategien. Bei der Vermittlung von Lernstrategien hebt Herr Büttner neben der impliziten Instruktion (durch Vormachen) die explizite Instruktion hervor, die in der Regel einen größeren Lernerfolg initiiere.. Zwar gehe ohne Inhalte kein Lernen, d.h. ohne Kognitionen, aber die metakognitiven Strategien seien die wichtigeren. Wiederholungs-, Organisations- und Elaborationsstrategien sollen Bestandteile jeden Unterrichts  - auch schon in der Grundschule – sein und dort explizit vermittelt werden. Voraussetzung: Die Lehrkräfte benötigen dazu allgemeines und spezifisches Strategiewissen.

LiF-Studientag

Im Anschluss an den Vortag von Herrn Büttner wurde im Rahmen der Veranstaltung ein neuer Kooperationsvertrag zum LIF (Landeskompetenzzentrum für Individuelle Förderung NRW) zwischen der WWU Münster (vertreten durch Rektorin Prof. Ursula Nelles), dem Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW (vertreten durch Ministerin Sylvia Löhrmann) und der Qualitäts- und Unterstützungs-Agentur – Landesinstitut für Schule NRW (vertreten durch Direktor Eugen-Ludwig Egyptien) unterzeichnet.

LiF-Studientag

Am Nachmittag folgten praxisorientierte Workshops, in denen  Fragen zum Umgang mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen, die in eine Klasse kommen, ebenso thematisiert wurden wie inklusionsorientierte Angebote des selbstregulierten Lernens und Fragen des forschenden Lernens.

Text: Ulrike Thöne, Fotos: ICBF Münster

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