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Orientierungsbereich (Sprungmarken)

Schillernde Projekte der Individuellen Förderung

Das Bochumer Gymnasium Schiller-Schule findet seit vielen Jahren eigene, innovative Wege der Individuellen Förderung und Anerkennungskultur. Die "Schillernden Projekte" fanden 2015 zum zweiten Mal statt. Als Referenzschule im Netzwerk "Zukunftsschulen NRW" teilt die Schiller-Schule ihre Erfahrungen mit Interessierten und lädt zum Nachahmen ein.

Es folgt ein Bericht der Schule, der der Redaktion der „Zukunftsschulen NRW“ zur Verfügung gestellt wurde und für den wir uns herzlich bedanken.

Das Konzept

Ablauf

Ein Nachmittag im Februar: 150 Schülerinnen und Schüler schleppen Stellwände, installieren Beamer, Windräder, Flugzeuge und eine Testladung Fischstäbchen. Hoher Besuch hat sich angekündigt: Von 17 bis 19 Uhr wird die Schulöffentlichkeit, also Mitschülerinnen und -schüler, Familien, Freunde und Lehrende, aber auch externe Partner und andere Interessierte bei einem Rundgang die vielen Projekte individuellen Lernens präsentiert bekommen. Es gibt keine zentrale Veranstaltung, keine Rede; an diesem Nachmittag stehen nur die Schülerinnen und Schüler mit ihren Projekten im Zentrum. Die Besucher bekommen auf einem Handzettel eine Projektübersicht mit Raumnummern und wählen Projekte, Reihenfolge und Tempo, in dem sie durch die drei Etagen des Schulgebäudes gehen, selber aus.

Motivation/Ziel

selbstgebaute Roboter-ProtheseEs geht bei den Schillernden Projekten vor allem um Wertschätzung. Wir vom Team Begabungsförderung haben lange überlegt, wie wir die vielen unterschiedlichen Produkte unserer Begabungsförderungsprogramme, aber auch Ergebnisse aus dem Fach-Projektunterricht angemessen anerkennen können. Die Schülerinnen und Schüler wollen häufig keine offizielle Belobigung. Es ist ihnen oft unangenehm, wenn sie mit ihrer Zusatzleistung herausgestellt werden. Also haben wir uns gefragt, was Anerkennung wirklich ausmacht: ehrliches Interesse für das Thema der eigenen Arbeit. Und das wird ihnen reichlich durch die Besucher der Schillernden Projekte entgegengebracht, die Nachfragen stellen, neugierig sind und sich manchmal sogar beruflich mit dem Thema auskennen. Wenn dann ein Lob oder Dankeschön kommt, fühlen sich die Schülerinnen und Schüler ernsthaft wertgeschätzt. „Ich habe mindestens eine halbe Stunde über meine Arbeit gesprochen und noch lange nicht alles gesagt, was ich weiß“, strahlt eine Teilnehmerin. Da bei dieser Veranstaltung Produkte aus dem Fachunterricht mit Programmen der Begabungsförderung zusammenlaufen, besteht die Gefahr der Elitebildung nicht. In der Wahrnehmung der ca. 300 Besucher der Schillernden Projekte in diesem Jahr waren dieses einfach herausragende Schülerprojekte.

Projekte der Begabungsförderung

Eines davon ist das Projekt Teamwork. Begabte und leistungsstarke Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 8 arbeiteten an zwei verschiedenen Filmprojekten. Das noch laufende Projekt nennt sich „Streetcast" und ist auf Youtube unter seinem Namen sofort zu finden. Dort werden Videos hochgeladen, in denen Eltern und Schülerinnen und Schüler auf die Probe und gegenübergestellt werden. Dabei müssen sie alltägliche Aufgaben und Fragen beantworten, wobei Eltern mit der Schülerwelt und umgekehrt Schülerinnen und Schüler mit der Elternwelt konfrontiert werden. Es gibt bereits ein Vorstellungs- und zwei „Adults vs. Students"-Videos. Nachschub ist in Produktion, unter anderem ein Video, bei dem Besucher der Schillernden Projekte interviewt wurden. Das letztjährige Projekt war eine Filmproduktion mit einem ernsten Thema. Dort wurde die Produktion von billiger Massenbekleidung kurzerhand in einen fiktiven Betrieb nach Bochum verlegt und ein Arbeiter durch einen Arbeitstag begleitet. Die Idee dabei war, auf Missstände in Bekleidungsfabriken in Asien aufmerksam zu machen.

Die Projekte werden von Herrn Wysocki und Herrn Sejk initiiert, aber selbstständig von den SchülernInnen entwickelt, vorangetrieben und präsentiert. Zu Beginn des Schuljahres werden dazu interessierte Schülerinnen und Schüler zusammengeführt, die dann aus ihren eigenen Ideen und individuellen Interessen ein gemeinsames Projekt entwickeln, welches mit einem Produkt abgeschlossen wird. Grundsätzlich muss es sich dabei nicht um einen Film handeln, sondern auch Hörspiele, Homepages oder ganz andere Endprodukte sind denkbar. Bei den beiden oben genannten Projekten schrieben die Schülerinnen und Schüler unter anderem die Filmmusik und das Drehbuch, lernten den Umgang mit professionellem Filmequipment und eigneten sich Kenntnisse in Bild- und Tonschnitt an. Dazu gab es viele Absprachen zu treffen, Termine zu organisieren, Kompromisse zu finden und Aufgaben zu verteilen, kurzum Teamwork in Reinform.

Teilnehmerin des ErweiterungsprojektsAuch die TeilnehmerInnen des Erweiterungsprojektes, das von Frau Müller und Herrn Sauerwald geleitet wurde, präsentierten in drei Räumen die Ergebnisse ihrer Arbeiten. Bei diesem Projekt werden besonders begabte, leistungsstarke und interessierte Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 9 eingeladen, sich eigenständig über einen Zeitraum von sechs Wochen mit einem selbst gewählten Thema zu beschäftigen und eine zehnseitige schriftliche Arbeit zu verfassen. Das sogenannte Drehtürkonzept bietet den SchülernInnen hierbei die Möglichkeit, für bis zu vier Schulstunden pro Woche den regulären Unterricht zu verlassen und in dieser Zeit eigenverantwortlich zu arbeiten. Das Projekt wird in doppelter Weise begleitet: Eine vom Team Begabungsförderung konzipierte und durchgeführte AG stellt vor allem methodische Fragestellungen in den Fokus, während die Teilnehmer für sachlich-inhaltliche Fragestellungen sowie die Bewertung der Arbeit eine individuelle Betreuungslehrkraft wählen.

Die wesentlichen Resultate der schriftlichen Arbeiten wurden in diesem Jahr hauptsächlich in Form von Plakaten und Wandzeitungen präsentiert. Gleichzeitig hielten die Schülerinnen und Schüler den Besuchern auf Wunsch Vorträge zu ihrem Thema und ließen sich auf angeregte thematische Gespräche ein. Einen ersten Einblick in die thematische Vielfalt der diesjährigen Arbeiten liefern bereits deren Titel:

  • Luise von Preußen – Eine Analyse des Lebens der jungen Monarchin (Charlotte Bethke)
  • Beeinflussungen (aus politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Situationen) auf das Modebewusstsein der Menschen in den 50er und 60er Jahren (Anna Kühn)
  • Wie sieht gehirn-gerechter Unterricht in der Schule aus? (Sara Tempel)
  • Die Systematik des Terrors früher und heute (Justus Dockenfuß)
  • Das Ebola-Virus – Darstellung der Eigenschaften, Ausbreitungswege, Schutzmaßnahmen und Einschätzung des Gefährdungspotenzials auf kommunaler Ebene am Beispiel von Bochum (Isadora Riege)
  • Echo-Ortung –
Kann der Mensch lernen, sich nur mit Hilfe von Schall im Raum zu orientieren? (Hannah Timm)
  • Ursachen für den Zusammenbruch von Herrschaftsterritorien am Beispiel des Untergangs des alten Ägyptens und des römischen Reiches (Luis Voskuhl)
  • Vergleich von Solarenergie und Kernenergie
(Welche Energienutzung ist sinnvoller und welche Chancen und Risiken sind damit verbunden?) (Timon Wingert)
  • Sind laktosefreie Milchprodukte wirklich sinnvoll für jeden Menschen? (Henrik Winter)
  • Fakt oder Fiktion? Verschwörungstheorien rund um Illuminati – Welche Wahrheiten stecken in den Werken Dan Browns? (Lisa-Marie Düser)
  • Manipulation durch Musik aufgezeigt am Beispiel der deutschen Nationalhymne (Clara Stehmans)
  • Transgene Pflanzen mittels Agrobakterium tumefaciens – Hintergrundinformationen und Methode (Mona Wefelmeyer)

MINT-Bereich

selbstgebauter WindkanalDie Schülerinnen und Schüler des Projektkurses Naturwissenschaften (Biologie und Physik; Q1/2)  präsentierten die im Laufe des Jahres unter der Kursleitung von Herrn Dr. Schmidt und Herrn Sauerwald erarbeiteten Projekte:

  • Der Bau eines Windkanals, um verschiedene Flügelformen für Windräder, die an in der Natur vorkommenden Formen orientiert sind, auf ihre Effizienz zu testen
  • Kann sich der Mensch das Prinzip der Selbstschärfungsfunktion des Biberzahns zu Nutze machen?
  • Exoskelette in der Medizin – Sind Low-budget-Konstruktionen eine mögliche und effiziente Alternative?
  • Biologische Wasserstoffproduktion durch Purpurbakterien als zukünftige erneuerbare Energiequelle

Hierbei zeigten die Schülerinnen und Schüler, dass sie ihre Projekte sowohl naturwissenschaftlichen Laien als auch ausgewiesenen Experten nahebringen konnten. So besuchte ein Schülervater, der unter anderem im Bereich der Materialwissenschaften gearbeitet hat, die Gruppen Biberzahn und Exoskelett und führte mit den Schülerinnen und Schüler ein halbstündiges Gespräch. Er zeigte sich angetan von der Vielfältigkeit der Arbeiten. Das insgesamt treffendste Fazit zur Arbeit im Kurs lieferte ein Schüler selbst. Robin Zimmer stellte für sich fest, dass er vor allem gelernt habe, „mit Misserfolgen und Frustration umzugehen“: Der Kurs läuft über ein Jahr und soll u.a. das Prinzip wissenschaftlichen Arbeitens vermitteln. Hierzu zählt vor allem, dass durch das Variieren der Versuchsbedingungen die Fragestellungen verfeinert und am Ende Antwortansätze gefunden werden sollen. Das Variieren ist in diesem Sinne notwendig. Für Schülerinnen und Schüler ist es aber ungewohnt, denn mit der Variation geht immer auch einher, dass der vorherige Aufbau der Experimente nicht funktioniert hat. Alle vier Gruppen mussten sich durch diesen von Misserfolgen durchkreuzten Weg kämpfen und haben wesentliche Probleme überwinden können, um zu einem gelungenen Abschluss zu kommen. Für die Unterstützung der Arbeiten des Projektkurses danken wir den externen Kooperationspartnern (IST.Bochum, RUB, Stadtwerke Bochum).

Funktionsweise von SolarzellenAlle vier Klassen der Jahrgangsstufe 9 untersuchten mit ihrem Physiklehrer Herrn Dr. Schmidt von November bis Februar in offenem Projektunterricht den physikalischen Energiebegriff. Dabei wurde untersucht, wie die Energieversorgung der Gesellschaft auch für zukünftige Generationen sichergestellt werden kann. Da ein wesentlicher Bestandteil des Projektunterrichtes in der Präsentation des fertigen Produktes bestehen sollte, wurden die Schillernden Projekte als willkommene Bühne für die ca. 30 Projekte gewählt. So konnte man z.B. die Pelztier-Jacke, die das Handy des Trägers auflädt, Modelle von Ökohäusern, ein Solarauto, den Effizienzvergleich von Fußboden- und Wandheizung, ein Paar „Wärmebildkopfhörer“, einen selbstgebauten Generator und vieles mehr sehen. Rückblickend empfanden die Schülerinnen und Schüler den Präsentationstag als gelungenen Abschluss der Unterrichtsreihe.

Die Klasse 7D hat zusammen mit ihrem Physiklehrer Herrn Dr. Schmidt Projekte zum Thema Optik ausgestellt. Man konnte z.B. erfahren, wie ein Teleskop funktioniert und dies auch an neuen schuleigenen astronomischen Teleskopen ausprobieren. Eine andere Gruppe setzte sich mit Oberstufenstoff auseinander und erforschte die Beugung eines Laserlichtstrahls am optischen Gitter. Auch die Funktionsweise einer digitalen Spiegelreflexkamera wurde von zwei Gruppen mit sehr aufwendigen selbst gebauten Modellen veranschaulicht. Sehr spektakulär, bunt und beeindruckend waren schließlich die Präsentationen des Plasmaleuchtens, anhand dessen die Leuchterscheinung eines Gewitterblitzes untersucht wurde.

Unter dem Oberthema „Leonardos Maschinen“ begann der PIT-Kurs (Physik – Informatik – Technik als Wahlpflichtfach bei Herrn Dr. Schmidt) der Jahrgangsstufe 8 Ende November mit der Planung einer Maschine, die eine sich selbst erhaltende, mehrere Stufen durchlaufende Kettenreaktion auslöst. Dabei sollte auch die Optimierung des Entstehungsprozesses und der Logistik rund um solch ein Großprojekt gezielt thematisiert werden. Nach sehr harter Kursarbeit mit vielen Rückschlägen und Optimierungszyklen war es dann (fast) pünktlich so weit: Beim Präsentationsabend konnte die etwa 20 Meter lange Maschine insgesamt drei Mal in Betrieb genommen werden.

LaborarbeitIm großen Chemieraum stellten Schülerinnen und Schüler der Q1, die in den Herbstferien innerhalb einer einwöchigen Arbeitsphase des Schiller-MobiL unter Anleitung von Dr. Florian Schaller den praktischen Teil ihrer biologischen Facharbeit angefertigt hatten, ihre Forschungsergebnisse vor. Die Themen reichten von der Molekularbiologie (Nachweis von Fisch verschiedener Spezies in Fischstäbchen und Identifizierung des Geschlechts anhand des Nachweises des humanen SRY-Gens) über die biochemische Charakterisierung der Alkoholdehydrogenase aus Saccharomyces cervisiae bis hin zu einem pflanzenphysiologischen Thema (Extraktion und Analyse pflanzlicher Pigmente in Abhängigkeit vom abiotischen Umweltfaktor Licht).

Sprachen, Kunst, Musik und Gesellschaftswissenschaften

Die Kunstkurse der Q1 unter Leitung von Frau Kessler erinnerten mit ihrem Projekt „Emotionale Selbstporträts" daran, das hinter jeder einzelnen Leistung auch immer ein Mensch mit Gefühlen steht. Die kleinen Radierungen wurden im gesamten Gebäude ausgestellt und waren optische Stolperfallen, die entweder ganz klein und leise oder aber unübersehbar die Besucher aufforderten, auf sich und ihre Emotionen zu achten.

Bochum und Dortmund im Mittelalter im Maßstab 1:100Ebenfalls kunstvoll zeigten sich die mittelalterlichen Städte Bochum und Dortmund um 1388 als Papiermodell im Maßstab 1:100. Die 7. Klassen erarbeiteten diese als Abschluss ihrer Projekteinheit zur mittelalterlichen Stadt. Neben den Stadtmodellen und ihrer Lokalhistorie trugen Schülerinnen und Schüler auch allgemeine Informationen zur städtischen Gesellschaft und Architektur des Mittelalters vor.

Eine 8. Klasse entführte die Besucher unter Leitung von Herrn Wysocki im „Airport Project" auf den Düsseldorfer Flughafen. Hier hatte sie eine Woche zuvor „Native Speakers" interviewt und gefilmt, die Interviews transkribiert und kommentiert. An fünf Laptop-Stationen wurden die Gruppenergebnisse dezentral präsentiert. Im Hintergrund hörte man das Starten und Landen von Flugzeugen und Terminal-Durchsagen, der Klassenraum war wie ein Cockpit gestaltet.

„Keine Party ohne Ecstasy & Co?" war das Thema, mit dem sich der Differenzierungskurs Politik/Wirtschaft der Jahrgangsstufe 9 unter Leitung von Herrn Laux auseinandergesetzt hat. Die Schülerinnen und Schüler entwickelten sich nicht nur zu Experten für chemische Drogen, Ursachen und Motiven von Jugendlichen zum Drogenkonsum, Präventions- und Hilfsangeboten sowie rechtlichen Folgen, sondern erstellten auch eine dramatisch-realitätsnahe Fotostory auf der Grundlage faszinierender Fotomontagen. Dabei war die enge Kooperation sowohl mit der Kriminalpolizei Bochum als auch mit der Krisenhilfe e.V. absolut hilfreich. Mitschülerinnen und -schüler, Eltern und übrige Besucher der kleinen Fotoausstellung waren überrascht über die preisverdächtige Professionalität und Kreativität, mit der die Schüler ihren Wettbewerbsbeitrag für die Bundeszentrale für politische Bildung konzipiert und umgesetzt haben.

Rahmenprogramm

Schülerinnen verkauften EingemachtesDa bei so viel Information Herz und Magen nicht zu kurz kommen durften, versorgte das Kulturcafé-Team der Schiller-Schule die Besucher mit kalten und warmen Getränken sowie süßen und salzigen Leckereien.

Um 19 Uhr, nach Abschluss der Projektpräsentationen, gaben die Bochumer Symphoniker ein öffentliches Konzert in der Aula, das auf großes Interesse stieß und sehr gut beim Publikum ankam!

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