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Workshop Nr.9:  KELS-Programm - Förderintervention für Underachiever

Referent:Dr.Robin Pflüger 

Inhalt: 

Underachievement hat nicht nur Konsequenzen für die Leistungsentfaltung des einzelnen Schülers oder der einzelnen Schülerin. Es wirkt sich auf das gesamte Bildungsumfeld der betroffenen Person aus. In welchem Umfang ein besonders hohes Leistungspotenzial jedoch ursächlich für Lernbiographien verantwortlich ist, die nicht selten durch Klassenwiederholungen, Ausschluss vom Klassengeschehen, Suspendierungen bzw. Schulverweisen gekennzeichnet sind, wird äußerst kontrovers diskutiert. Häufig sind bei Underachievement neben der Schule, den Eltern und dem Kind auch das Jugendamt (z.B. durch den Allgemeinen Sozialen Dienst) oder weitere sozialorientierte Fachstellen in das Geschehen involviert.
Nur schwer ist es dem Einzelnen möglich, sich angesichts der emotionalen Belastung, die Underachievement für das gesamte Bildungsumfeld mit sich bringt, von der schwächen-orientierten Fokussierung zu lösen. Welche Bedeutung das hohe Leistungspotenzial für eine Stabilisierung der - nicht nur vom einzelnen Kind erfahrenen - Krisensituation haben kann, steht in der Regel nicht im Mittelpunkt gängiger (Förder)-Interventionen. Das KELS-Programm vernetzt stärkenorientiert das Bildungsumfeld (Kind, Eltern, Lehrer und Stadt) des Underachievers. Ausgehend von zwei Fallbeispielen wird erläutert, wie das KELS-Programm konzipiert ist, welche Bedeutung es für alle Beteiligen haben kann und welche Voraussetzungen für die Realisierung geschaffen werden müssen. Im Anschluss gilt es das KELS-Programm im Kontext der schulischen Begabtenförderung und des Inklusionsgedanken zu diskutieren.

Workshop Diskussionsthemen / wichtige Fragen / Ergebnisse:

Hintergrund: Das KELS-Programm läuft z.Zt. in Langenfeld am CCB in Zusammenarbeit mit der Gaesdoncker Beratungsstelle für Begabtenförderung. Anlass für die Entwicklung des Konzepts waren Einzelfälle von Kindern, „die das Schicksal teilen, ewig aus der Schule ausgeschlossen zu werden.“ An zwei Fallbeispielen (siehe Anlage), bei denen trotz früher Einhilfen die Situation zu eskalieren drohte, wird dargestellt, wie das KELS-Programm an der Nutzung der Stärken ansetzt, um die Situation zu stabilisieren.

Voraussetzungen:  Kind-Eltern-Lehrer-Stadt, allein ist die Situation von keinem Beteiligten zu meistern; das CCB stellt sich als zentrale Stelle der Informationsbündelung und Projektplanung zur Verfügung. Bei den Beteiligten ist die Hochbegabung Aspekt der Netzwerkarbeit, ein Kernelement der Situationsveränderung, nicht jedoch die Ursache der Problemlage. Ziel des Handelns ist die Stabilisierung der Situation mit den folgenden Aspekten:

Beim Kind:

  • Würdigung der Stärken
  •  Förderung der Stärken
  •  Vermittlung, dass das Kind Symptomträger ist

Bei den Eltern:

  • Umgang mit stärkenorientierter Erziehung
  •  Vermittlung, dass das Kind Symptomträger ist

Beim Lehrer:

  • Umgang mit stärkenorientiertem individuellen Unterricht
  •  (Wieder-)Aufbau der Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden
  •  Vermittlung, dass das Kind Symptomträger ist

Bei der Stadt:

  • Unterstützung für Entscheidungs- und Hilfeträger für eine bessere Beurteilung der anzuwendenden Maßnahme und der damit verbundenen rechtlichen Grundlage
  •  Vermittlung, dass das Kind Symptomträger ist

Umsetzung und Planung:

Grundvoraussetzung für die Teilnahme am KELS-Programm:

  • Nomination durch CCB-Langenfeld
  •  Teilnahme der Schülerin/des Schülers am Förderkurs „Vooruitwerk-Lab“
  •  Teilnahme eines Elternteils am Elternkurs
  • Teilnahme einer schulischen Fachperson (z.B. Klassenlehrer, Sozialarbeiter oder die Person, mit der Sie am CCB vorstellig wurden)
  • Teilnahme an 2 Netzwerkgesprächen (Kind, Eltern, schulische Fachkraft, CCB-Psychologe und evtl. Fallbegleiter des ASD)
  • Besuch des Informationsabends und Teilnahme am Abschlussabend aller beteiligter Personen (Kind, Eltern, Fachperson der Schule, Vertreter ASD und/oder CCB Stadt Langenfeld)

Das KELS-Programm 2012 wird zwischen den Herbstferien und Weihnachten mit einem Abschlussabend und einem Nachgespräch (Kind-Eltern-Lehrer-Psychologe als Fallführer) geschlossen. Danach findet eine Auswertung mit Transferplanung statt.

Weitere interessante Aspekte im Vortrag und in der Diskussion:

  • Der Begabungsbegriff ist bei der Fallbetrachtung durch das Jugendamt nicht relevant. Maßnahmenentscheidungen werden eher nach Lage ärztlicher Gutachten getroffen.
  • Wunsch der Finanzierung von Einrichtungen wie das CCB durch die Städte.
  • Für die systemische Unterstützung von Underachievern braucht man Zeit und Geduld.
  • Underachiever sollten ganzheitlich als normale Personen gesehen werden – keine Stigmatisierung!
  • Ob sie sich an einer Schule wohl fühlen, ist für Underachiever eine Kernfrage; die Akzeptanz der Schule hängt von persönlicher Anbindung an einen Erwachsenen dort ab.
  • Ziel könnte sein, weitere Underachiever mit dem Ziel weiterer Unterstützung zu entdecken.

E-Mail:robin.pflueger@gbfb.de

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