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Orientierungsbereich (Sprungmarken)

Workshop 2: „Die Schule ist ein Problem !?“

Referentin: Frau Dr. Sylvia Greiten

Inhalt:

Sichtweisen hochbegabter Underachiever auf unterrichtliche Bedingungen und das System Schule. Forschungsergebnisse aus qualitativ-empirischen Einzelfallstudien an der Universität Siegen.

Zur Gestaltung des Workshops: „Ich will, dass das weg geht.“ „Der klügste Mann muss am wenigsten tun.“ Gegensätzlicher können Aussagen hochbegabter Underachiever wohl kaum sein. Diese Aussagen spiegeln die Innenperspektiven zweier Jungen wieder, die sich zu ihrer Hochbegabung und ihren schulischen Schwierigkeiten äußern. Die Jungen erleben sich als „Grenzgänger“ zwischen schulischen und persönlichen Anforderungen. Ihr Bewusstsein über die hohe Intelligenz auf der einen Seite und den schulischen Schwierigkeiten auf der anderen Seite führt sie zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem System Schule. In dem Workshop werden zunächst die als Promotionsprojekt angelegten Fallstudien vorgestellt. Sie zeigen die Entwicklung eines Kindes und eines Jugendlichen über zwei Jahre auf. Im Anschluss an den Vortrag sollen die vorgestellten Fälle zunächst mit Hilfe von Leitfragen kritisch diskutiert und Problemfelder im System Schule skizziert werden. Abschließend wird ein Schwerpunkt auf die Erfahrungen der Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus ihrer Arbeit mit hochbegabten Underachievern gelegt, in dem es darum geht, jeweils die individuelle Sichtweise der betroffenen Schülerinnen und Schüler zu verstehen, um Ansatzpunkte für eine gelingende Förderung zu finden.

Dokumentation des Workshops:

1. Zum Einstieg in die Thematik notierte jeder TN Stichwörter zu Erfahrungen mit einem Underachiever. Zwei Fälle von Underachievern wurden anschließend vorgestellt.
Folgende Fragen taten sich auf: Wie sieht die Unterrichtsgestaltung aus? Welche Aufgaben und Strukturen braucht man? Wie sind die sozialen Beziehungen eines Underachievers? Wann ist die Leistung problematisch?

2. Die sehr individuelle Aussage eines 19-jährigen Hochbegabten: „Ein Minderleister ist eine Art extremistischer Hochbegabter, der seine eigenen Gedanken und Ideen aufs Extremste verteidigt.“ wurde zum Ausgangspunkt der weiteren Diskussion mit dem Ergebnis, dass alle Underachiever individuell so unterschiedlich sind, dass man keine Typisierung vornehmen kann.

3. Die Realität in den Schulen mit Underachievement / Umgang mit Underachievern

Sollförderung im Umgang mit Underachievern

  • Schule trägt Mitverantwortung
  • sorgt für Anregungen
  • kontrolliert
  • setzt Grenzen
  • führt zu systemischem Arbeiten
  • bearbeitet Probleme erschöpfend

In der Realität von Schulen hat sich gezeigt, dass für Underachiever von allem zu wenig, bzw. gar nichts beachtet wird.

4. These: „Überforderung durch Unterforderung“

Durch Unterforderung ergibt sich für Hochbegabte eine persönliche Überforderung. Dies führt zu Divergenzen:

  • hohe Intelligenz <--> Schulschwierigkeiten
  • schulische Anforderungen <--> persönliche Anforderungen
  • zu wenig Aufwand <--> Leistung
  • hochbegabte Gedankenwelt <--> Deutung der Schulwelt
  • unnormal unter Hochbegabten <--> unnormal unter Begabten
  • Anderssein <--> Anpassung

5. Fazit / Thesen des Workshops:

  • Diskrepanzfokussierung bzw. Fokussierung auf Leistung reicht nicht aus!
  • Persönlichkeitsentwicklung muss stärker beachtet werden!
  • Trotz offensichtlicher Schulprobleme mit Underachievern erfordert der Umgang mit ihnen
    - individuellen Umgang mit Problemen
    - individuelle Interpretation der Probleme
    - Vermeidung des Leidensdrucks

Wichtigste Ergebnisse:

  • Schule muss sich systemisch verändern!
  •  Guter Unterricht beinhaltet Arbeit mit Underachievern, d.h. Umgang mit Heterogenität.

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