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Typische Tests und Fragebögen

Für die Realisierung eines Begabungspotenzials in Leistung können viele Faktoren verantwortlich sein. Die Psychologen berücksichtigen dies bei der Wahl des Tests. Sie entscheiden nach einem Vorgespräch verantwortlich, welche Tests verwendet werden, um die Faktoren herauszufinden, die möglicherweise eine Schülerin oder einen Schüler daran hindern in der Schule erfolgreich zu sein. Faktoren wie Motivation, Arbeitshaltung oder das Selbstkonzept eines jungen Menschen können für die Entfaltung von Fähigkeiten maßgebend sein.

Die bekannten und standardisierten Tests sind ausschließlich für ausgebildete Psychologen und Sonderpädagogen zugelassen, damit die Testung unter möglichst gleichen Bedingungen durchgeführt und die Ergebnisse (bezogen auf die Normalverteilung in der Bevölkerung und der Altersstufe) korrekt interpretiert werden.
Tests geben eine punktuelle Situation zu einem speziellen Zeitpunkt wieder. Verschiedene Tests können daher unterschiedliche Ergebnisse (z. B. beim Intelligenzquotienten) aufweisen. Abweichungen von bis zu 10 Punkten sind relativ häufig.

In besonderen Problemlagen, z. B. lang anhaltenden Lern- und Verhaltensproblemen bei minderleistenden Hochbegabten (Underachiever), Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten oder Dyskalkulie kann eine umfassende Bestandsaufnahme mit Hilfe weiterer Experten notwendig werden. Umfangreichere Daten zur Lern-, Leistungs- und Verhaltensbiografie werden dabei durch Befragungen der Beteiligten erhoben. Ergebnisse schulischer und außerschulischer Leistungsüberprüfungen, individuelle Interessen sowie testdiagnostische Daten zu ausgewählten Persönlichkeitsmerkmalen (z. B. zur Stressbewältigung oder Selbsteinschätzung) und zur Abklärung des Begabungspotenzials sind manchmal notwendig.

Aus der Vielzahl der Tests seien hier - ohne Wertung - einige erwähnt, um das große Spektrum deutlich zu machen:

  • HAWIK-III (Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Kinder - 3. Auflage): erfasst eine Vielfalt von spezifischen Fähigkeiten wie z. B. allgemeines Wissen und Verständnis, Einsichtsfragen, Argumentationsfähigkeit, abstraktes Denken, Bildergänzen, - Ordnen, Figurenlegen.
  • AID 2 (Adaptives Intelligenz Diagnostikum): erfasst eine Vielfalt von spezifischen Fähigkeiten wie z. B. Alltagswissen und Realistätssicherheit, soziale und sachliche Folgerichtigkeit, Analysieren und Synthetisieren, Synonyme finden, angewandtes Rechnen.

Der HAWIK-III und der AID 2 sind Tests, bei deren Auswertung insbesondere ein Begabungsprofil erstellt wird.

 

  • CFT 20 (Culture Fair Test von Cattel-Weiß-Osterland): erfasst die Grundintelligenz im Sinne der Catell‘schen „General Fluid Ability", d.h. die Fähigkeit figurale Beziehungen und formal-logische Denkprobleme zu erkennen und zu verarbeiten
  • SPM und APM (Standard/Advanced Progressive Matrices von Raven) erfassen die Grundintelligenz; die APM ist nur für besonders begabte Kinder geeignet
  • Bourdon-Vos-Test: Konzentrationsfähigkeit des Kindes bei Routineaufgaben, Genauigkeit und Schnelligkeit
  • TCT-DP: Beurteilung der Kreativität im Sinne von Einfallsreichtum und Originalität „Kunstwerk vollenden" 
  • SDQ (Self Description Questionnaire): Fragebogen zum Selbstbild: u.a. mathem. und sprachliche Fähigkeiten, Aussehen, Sportlichkeit, emotionale Stabilität
  • AFS-Fragebogen: Angst-Fragebogen für Schüler (Wieczerkowski, ...)
  • AVT: Anstrengungsvermeidungstest
  • Satzergänzungstest: Satzanfänge um Informationen über aktuelle und vorherrschende Themen und Interessen vervollständigen


Was sollte eine Testauswertung enthalten?
Damit Tests eine Hilfe bei der Lösung der Probleme junger Menschen sein können, ist es wichtig, dass bei der Auswertung die Ausgangssituation, die Art des Tests, die Ergebnisse und die daraus aus der Sicht des Testenden zu ziehenden Konsequenzen detailliert beschrieben werden. Eine mögliche Abfolge dieser Aspekte in einem Gutachten könnte die folgende sein:

  1. Vorgeschichte und Grund der Anmeldung (Warum soll das Kind getestet werden? Wer schildert die Problemlage?)
  2. Wahl der Instrumente durch den Testenden
  3. Ergebnisse
    • Biografische Anamnese
    • Resultate der einzelnen Tests
    • Weitere Daten (z. B. Interessen und Freizeitverhalten)
  4. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
  5. Empfehlungen für alle am Erziehungsprozess Beteiligten
  6. Anlagen: Testbögen zu speziellen Themen

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